Der Beweis ist da: 63 % aller Güterzüge im rechten Rheintal rumpeln und machen vermeidbaren Lärm

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KREIS NEUWIED. Lange hatten es Anwohner, Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen vermutet. Doch ein aktueller technischer Beweis nach einer Langzeitmessung war bislang nicht möglich. Nun hat ein Start-up-Unternehmen herausgefunden, dass mehr als jeder 2. Güterzug, der im April 2020 rechtsrheinisch unterwegs ist, Schäden hat – und zu viel Lärm verursacht. Das ist rechtswidrig.

„Die Bürger an der Rheinschiene sind wirklich zu bedauern“, sagt Michael Breuer. Der Geschäftsführer von RailWatch aus Bonn hat niemals mit diesen Zahlen gerechnet: „63 Prozent aller vom 9. bis 16. April 2020 (eine Woche) erfassten Güterzüge haben Flachstellen. Durchschnittlich befinden sich vier Achsen mit Flachstellen pro Zug. Das ist der Hammer!“

Diese Züge dürften nach den betrieblichen Vorschriften, die sich aus dem Allgemeinen Eisenbahngesetz ableiten, aus Sicherheitsgründen gar nicht in Deutschland unterwegs sein.

Flachstellen sind sogenannte Radunrundheiten. Das betrifft die Räder der Güterzüge. Flachstellen werden als rumpelnde Güterwagen oder als Schläge auf die Schiene wahrgenommen. Diese Flachstellen sind nicht nur wegen des Lärms eine Belastung für jeden Anwohner der Rheinschiene, sie sorgen auch für Erschütterungen, die etwa das Porzellan im Schrank zum Klirren bringen.

Flachstellen sind vermeidbar und sollten gar nicht vorkommen. Denn sie sorgen nicht nur für Lärm und Erschütterungen, sondern können auch zu Schäden an Güterwagen und Ladungen führen. Außerdem beschädigen sie die Schienenoberfläche. „Je schlechter die Schienenoberfläche ist, desto lauter ist wiederum die Lärmentwicklung des Zuges – ein Teufelskreis“, sagt Breuer.

Sein Unternehmen sammelt Informationen zu kritischen Flachstellen – seit wenigen Tagen auch in Rheinbrohl. An den Bahngleisen wurde von RailWatch ein selbst entwickeltes Messsystem aufgebaut. Hochsensible Sensoren und Kameras scannen Güterwagen und Lokomotiven während der Durchfahrt. Die Ergebnisse werden in ein Internetportal übermittelt.

In Echtzeit erkennen Eisenbahnverkehrsunternehmen dann den Zustand ihrer Flotte. Bisher war so etwas nicht möglich – nun seit kurzem aber dank „Big Data“, gesammelt in einer „Cloud“. Ein Beispiel dafür, wie „Industrie 4.0“ Lärmschutz bewirken kann.  Denn die Kunden von RailWatch erfahren durch die Messungen die optimalen Zeitpunkte für Wartung und Instandhaltung ihrer Fahrzeuge.

Im Rheintal misst RailWatch an drei Stellen: Rheinbrohl (rechtsrheinisch), Koblenz-Ehrenbreitstein (rechtsrheinisch) und Brohl-Lützing (linksrheinisch). RailWatch bietet diese Informationen interessierten Eisenbahnverkehrsunternehmen oder Güterwagenhaltern als Datendienst an. Breuer: "Mit unseren digitalen Lösungen wollen wir die Sicherheit auf der Schiene unterstützen. Auch sind wir der Meinung, dass nur ein leiser Schienengüterverkehr langfristig von der Bevölkerung im Rheintal akzeptiert wird."

Über die RailWatch GmbH & Co. KG

Wir sind ein 2015 gegründetes Datenunternehmen mit 25 Mitarbeitern und Sitz in Bonn. Um den Schienengüterverkehr sicherer zu machen, stellen wir an Bahngleisen unsere Messstationen auf, die Züge während der Vorbeifahrt scannen und Schäden erkennen, dokumentieren und unseren Kunden in Echtzeit melden.