Drohende Insolvenz des Neuwieder Zoos:

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Grüne sprechen sich für ein gemeinschaftliches Handeln von Bund, Land und Kommune aus

Am 07.01.2021 besuchten Regine Wilke und Holger Wolf von Bündnis 90 / Die Grünen den Neuwieder Zoo, um sich persönlich vor Ort über die aktuelle Situation zu informieren.

Derzeit geistern viele Zahlen, Behauptungen und Schuldzuweisungen durch die Öffentlichkeit. Es wird viel über den Zoo und eher wenig mit dem Zoo geredet und das ist sicherlich nicht der richtige Weg. „Wir möchten uns diese Aussagen und den Schlagabtausch, welcher momentan auf verschiedenen Ebenen stattfindet, keinesfalls zu eigen machen. Wir brauchen Hilfe und das ganz unabhängig, von wem sie kommt oder warum diese bisher vielleicht ausblieb“, so Mirko Thiel. Der Zoodirektor bedauert jedoch, dass sich bisher nur CDU und Grüne bei ihm gemeldet hätten. „Dabei stehen wir gerne allen Parteien Rede und Antwort, die sich für unsere Situation interessieren“.

Im Gespräch berichten Wirtschaftsberater Herr Hans-Dieter Neuer und Herr Thiel ausführlich über die prekäre finanzielle Situation und die Belastung für die Mitarbeiter*innen des Zoos aufgrund der ungewissen Zukunft. „Neben den eigenen Existenzängsten sorgen wir uns besonders um die uns anvertrauten Tiere. Das kann einem schon die eine oder andere schlaflose Nacht bereiten“, beklagt Thiel. Die seitens des Umweltministeriums wiederholt in 2020 als Futterhilfe bereitgestellten Mittel hätten einen helfenden Beitrag geleistet und seien auch allesamt sehr schnell überwiesen worden. „Vom Antrag bis zur Auszahlung vergingen keine zwei Wochen. So schnell haben wir noch von niemandem Fördermittel erhalten“.

Zwischenzeitlich hat das Umweltministerium bekannt gegeben, dass die Futterhilfen auf Januar erweitert werden und somit eine zusätzliche finanzielle Hilfe geleistet werden kann. Sowohl die Futter- als auch die inklusiven Tierarztkosten machen aber nur einen Anteil der laufenden Kosten aus.

Die Gehälter und weitere Betriebskosten müssen ebenso weiterbezahlt werden. „Schließlich brauchen wir auch ohne Besucher die gleiche Zahl an Mitarbeiter*innen, um unsere Tiere versorgen und den Betrieb aufrechterhalten zu können“, so Thiel.

Doch für diese Hilfen sind wiederum die Wirtschaftsministerien im Bund und dann im Land zuständig. „Die finanziellen Verluste des Zoos aufgrund der Lockdowns sind enorm. Wenn diese nicht in ihrer Gesamtheit aufgefangen werden, können punktuelle Hilfen bestenfalls erreichen, dass der Zoo ein paar Wochen oder Monate länger überlebt“, so Holger Wolf, Mitglied des Kreistags und Sprecher des Arbeitskreises Tierschutz der Bündnisgrünen im Kreis Neuwied. „Auch die ins Spiel gebrachte vorzeitige Zahlung der jährlichen Fördermittel würde die drohende Insolvenz nur nach hinten schieben, anstelle sie abzuwenden.

Natürlich würde das jetzt erstmal sehr helfen, aber letztendlich handelt es sich dabei ja nicht um die dringend benötigten zusätzlichen Gelder“. Im Falle einer Insolvenz würden die Tiere einer sehr ungewissen Zukunft entgegensehen. Der zunächst zuständige Kreis könnte die Unterhaltskosten nicht schultern und müsste umgehend neue Plätze für die Tiere suchen. Doch in der derzeitigen Situation belastet sich keine andere Stelle mit zusätzlichen Tieren, zumal der Platz dafür überhaupt erstmal geschaffen werden müsste.

Regine Wilke und Holger Wolf sind sich sicher: Es braucht einen gemeinsamen Kraftakt von Bund, Land und Kommune, um die Versorgung der Tiere und den Erhalt der Arbeitsplätze langfristig sicherstellen zu können. „Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen da nicht. Es gilt, sich parteiübergreifend zusammenzusetzen und das Problem gemeinsam anzupacken. Wenn die kürzlich vom Bund freigegebene Novemberhilfe schnell an den Zoo ausgezahlt würde, wäre das ein guter Anfang“.