Sonntag, 31. Mai 2020

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Andacht zu Ostern 2020 von Dekanin Renate Weigel

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„Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Johannes 14,19

Ostern ist ein schönes Fest. Wir verbinden es mit Frühling, Narzissen und Osterglocken, Schokoladenhasen und bunten Eiern. Alles ist voller Leben. In den Kirchen wird die Auferstehung gefeiert mit Posaunen, Chören und großem Halleluja.

Ostern fällt manchen schwer. Die Geschichte vom Mann am Kreuz ist schon keine leichte Kost. Und der soll von den Toten auferstanden sein? Wie kann ich das glauben?

Ich bin gerade in diesem Jahr froh, dass in der kirchlichen Tradition die Verstorbenen immer zum Osterfest dazugehört haben. Seit Wochen sterben Menschen, ohne dass Angehörige sie begleiten können. Verstorbene werden im kleinsten Kreis bestattet. Viele sind mit ihrer Trauer allein. Was bedeutet Ostern denn für unsere Toten?

„Habt keine Angst“, sagt Jesus. „Ich gehe mit meinem Tod vor und bereite euch einen Ort. Ihr kommt nach. Zusammen werden wir bei Gott sein.“ (Joh. 14, 1-3) Sterben ist demnach wie Heimkommen.

Oder zum Ursprung meines Lebens Zurückkehren.

Was genau? Wie genau? Wann genau? – darauf gibt es keine Antwort als die: Es wird unvorstellbar anders sein.  Ostern lädt uns ein, unsere Verstorbenen Gott anzuvertrauen.

Und noch etwas:

Beim Lesen der Ostergeschichten fällt mir auf, wie der Auferstandene seine Lieben auf recht einfache Weise auf die Füße stellt. Er ist es ja, der aus dem Grab kommt. Aber er findet sie offenbar wie gelähmt am Boden.

So ruft er „Maria!“ beim Namen, und sie darf ihn erkennen.

Mit zwei Jüngern geht er ein Stück Weg, hört ihnen zu, spricht mit ihnen und teilt noch das Brot. Anderen, die wieder fischen gehen, bereitet er am Ufer ein Frühstück, als sie zurückkommen.

Und Petrus nimmt er beiseite. Der hatte ihn ja verleugnet. Da braucht es Klärung und Vergebung.

Ostern will uns aufstehen und leben helfen.

Wir werden aus unseren Verschanzungen und Mauern herausgerufen. Unsere  Ängste, Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen  graben nur Gräber. Diese Tode wollen wir nicht!

Wir werden ermutigt einander zu sehen, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.

Wir dürfen lieben.

Weil wir im Leben und Sterben getragen sind.

Mit unseren Verstorbenen vertrauen wir uns dir an, lebendiger Gott.

Belebe uns. Mache uns mutig im Füreinander.

Wir beten für alle, die in großen Nöten sind.

Lieder, die zu dieser Andacht passen:
EG   99   Christ ist erstanden

EG   112  Auf, auf, mein Herz mit Freuden

EG+ 109  Meine Hoffnung und meine Freude