Sonntag, 21. April 2019

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Junge Flüchtlinge trugen ihre Gedichte vor

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„Flüchtige Poesie“ im Jugendkulturzentrum

Lahnstein. Texte, die unter die Haut gehen, hörten die Besucher der Veranstaltung „Flüchtige Poesie mit Musik“ im Lahnsteiner Jugendkulturzentrum (Jukz). Extra aus Berlin waren die jungen Flüchtlinge Sarah Safi, Robina Karimi (jeweils aus Afghanistan) und Ali Alzaeem (aus Syrien) mit ihrer Projektleiterin Theresa Rüger ans Rhein-Lahn-Eck gereist, um Gedichte des „Poetry Projects Berlin“ vorzutragen. Dieses Projekt macht es sich zur Aufgabe, sogenannte unbegleitete Minderjährige, die in Flüchtlingsheimen untergebracht sind oder waren, einzuladen, Gedichte in ihrer Sprache zu schreiben. So erhielt manch sprachloses Fluchterlebnis eine poetische Note. Todesangst, Fremdheit und Sehnsucht wurden in den Stücken verarbeitet.

Einige afghanische Flüchtlinge, die in Lahnstein leben, wurden durch die Texte an ihre eigenen Fluchterlebnisse erinnert. Die Kraft der Poesie mit den sehr persönlichen und authentischen Zeilen schlug Brücken zwischen den jungen Wortkünstlern und den Einheimischen. „Der schönste Sommer meines Lebens war der letzte Sommer in Afghanistan“, lässt die siebzehnjährige Sarah ihrer Sehnsucht freien Lauf. Im Gedicht „Kopftuch“ beschreibt sie die Vorurteile, welche ihr im vermeintlich so offenen Berlin alltäglich begegnen. In „Afghanin sein“ geht Robina auf die verschlossenen Türen ein, mit denen sie aufgrund ihrer Herkunft immer konfrontiert ist: „Es ist kein Verbrechen, Afghanin zu sein, auch ich bin ein Mensch.“ Hoffnungsfroh sind die Gedanken über die Gleichberechtigung, welche der Afghanin in Deutschland neue Möglichkeiten bieten. Über die strikten Regeln im Flüchtlingsheim schmiedet Mahdi seine Verse. Besonders aufrührend das Gedicht, welches von der Flucht mit dem kleinen Schlauchboot über das Mittelmeer handelt.

Die jungen Flüchtlinge wurden unterstützt durch Victor Lee und Timo Marr, zwei junge Talente von der Koblenzer Schauspielschule. Die Leiterin dieser Schauspielschule, Arina Horre, hatte die gesamte Veranstaltung in Szene gesetzt. Eindrucksvoll auch die musikalische Begleitung durch Katharina Obst, die erste Vorsitzende der Schauspielschule und ehemalige Schauspielschülerin, die als Sängerin die melancholischen Stücke, wie „Mad World“ nach Gary Jules oder „Zombie“ von den Cranberries intonierte.

Für Susanne Koebl, Auslandskorrespondentin des SPIEGEL und die Projekt Initiatorin, zeigt der Zauber der Lyrik, dass unter den Trümmern des Krieges die poetische Seele einer Jahrhundertealten Hochkultur lebt, schön und unzerstört, auch in dieser jungen Generation.

Bei der Veranstaltung im Jukz handelte es sich um die dritte Kooperationsveranstaltung mit dem Beirat für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund der Stadt Lahnstein. Der Beiratsvorsitzende Turgay Emel zeigte sich beeindruckt von den Texten der jungen Poeten: „Wir unterstützen gerne Veranstaltungen, welche zum guten Miteinander von Einheimischen und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern beitragen.“ Die Sozialpädagogin des Jukz, Nasstaran Houshmand, zeigte sich als gute Gastgeberin und den Berliner Gästen die Schönheiten der Stadt.