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Vor 40 Jahren starb Rektorin a. D. Sophie Schlaadt

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Lahnstein. Sophie Schlaadt ist vielen älteren Mitbürgern noch als langjährige Rektorin der Kaiser-Wilhelm-Schule in Lahnstein bekannt. Unbeugsam trat sie gegen das NS-Regime auf und durfte deshalb auch nach dem Dritten Reich bis zu ihrer Pensionierung 1953 ununterbrochen als Schulleiterin wirken. Darüber hinaus gestaltete sie das kulturelle Leben der Stadt Lahnstein mit.

Geboren am 25. Januar 1888 in Wiesbaden, unterrichtete sie nach ihrer ersten Lehramtsprüfung zunächst in Bensheim. Im November 1907 wurde sie als Volksschullehrerin nach Oberlahnstein versetzt, wo ihr Vater Prof. Wilhelm Schlaadt von 1897 bis 1921 Rektor des Städtischen Gymnasiums war Sophie Schlaadt war zunächst als Lehrerin an der Höheren Töchterschule tätig. Durch Fortbildung errang sie die Qualifikation als „Lyceallehrerin“ und wurde 1919 Leiterin der Höheren Töchterschule. Als die Stadt deren Trägerschaft aus finanziellen Gründen an die Dernbacher Schwestern abgab („Hildegardisschule“), verlor Sophie Schlaadt ihren Posten und blieb vier Jahre bei vollem Gehalt ohne Amt. 1931 erhielt sie von der Stadt die Verwaltung der Rektorenstelle der Kaiser-Wilhelm-Schule übertragen. Die Kaiser-Wilhelm-Schule wurde 1906 als räumliche Dependance der Oberlahnsteiner Volksschule eingeweiht, 1926 von dieser organisatorisch zu einer reinen Mädchenschule getrennt, während die Jungenschule den Namen „Freiherr-vom-Stein-Schule“ (am Standort der heutigen Berufsschule) erhielt.

Durch die in ihrem streng katholischen Elternhaus genossene Erziehung war Sophie Schlaadt der nationalsozialistische Führerkult wesensfremd. Entsprechend war ihre Amtsführung: Sie zog nicht mit ihren Schülerinnen nach der Pogromnacht 1938 durch die Stadt und unterließ es auch, ihre Schülerinnen zu allen NS-Feierlichkeiten zu führen. Ihre stark christlich-humanistisch geprägte Persönlichkeit führte zu Anfeindungen gegen sie als Frau und Nicht-Parteimitglied. Dennoch schaffte es Bürgermeister Jäger (NSDAP) nicht, sie abzuberufen. Wie sich Sophie Schlaadt gegen den Zeitgeist gesträubt hat, zeigt beispielsweise ihre Haltung bei der durch die Nationalsozialisten 1939 erfolgten Unbenennung der Kaiser-Wilhelm-Schule in Hans-Schemm-Schule Sie ignorierte den Namen im amtlichen Schriftverkehr, so dass sich kaum ein Lahnsteiner, der damals die Mädchenvolksschule besuchte, an den Namen „Hans Schemm“ erinnern kann.  Schemm war Gauleiter in Niederbayern, Leiter des NS-Lehrerbundes und kam 1935 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Er wurde an Schulen regelrecht als „guter“ Nationalsozialist verherrlicht, nicht so in Lahnstein.

In der Todesanzeige von 1979 steht: „Sie leitete die Geschichte ihrer Schule, auch in schwieriger Zeit, umsichtig und stets zum Wohle der ihr anvertrauten Kinder orientiert.“ Auch am Wiederaufbau der im Krieg schwer beschädigten Schule wirkte sie mit. Eine Zeitlang leitete sie gleichzeitig auch die Freiherr-vom-Stein-Volksschule.

Mit dem Erreichen der Altersgrenze schied sie am 31. Januar 1953 aus dem Schuldienst aus. Bis 1978 behielt sie ihren Wohnsitz in Lahnstein bei. Ihre letzten Monate lebte sie in einem Altenheim in Bad Soden, wo sie am 12. Mai 1979 verstarb.