Montag, 25. Mai 2020

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Vor 150 Jahren wurde der Friedhof Sebastianusstraße eingeweiht

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Lahnstein hat Geschichte Folge 590

Lahnstein. Als im Mai 1870 der Friedhof an der Sebastianusstraße erstmals belegt wurde, waren die Spannungen zwischen Katholiken und Protostanten nicht nur in Oberlahnstein sehr groß. Es war die Zeit des Ersten Vatikanischen Konzils, das dem Papst Unfehlbarkeit in Glaubens- und Gewissensfragen zusprach und in Preußen einen Konflikt zwischen dem protestantisch geprägten Staat und den Katholiken hervorrief, der im „Kulturkampf“ eskalierte.

Im katholisch geprägten Lahnstein dominierten die Katholiken, die Protestanten hatten noch keine eigene Kirche und nutzten die Schlosskapelle des Martinsschlosses als Betsaal. In der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der evangelischen Kirchengemeinde ist nachzulesen, dass die Weihe des Friedhofs anfangs von Protestanten und Katholiken gemeinsam in Aussicht gestellt wurde. Doch die Katholiken zogen eines Morgens nach der Messe ohne Ankündigung zum Friedhof und nahmen die Weihe vor. Der evangelische Kirchenvorstand beschloss darauf, am Himmelfahrtstage 1870 nach dem Gottesdienst eine besondere Weihe durch einen evangelischen Pfarrer vornehmen zu lassen. Doch Mitglieder der katholischen Gemeinde verkeilten das Schloss des Tores und stellten sich oberhalb des Friedhofs auf, um die Feier zu stören. „Durch Eingreifen der Polizei wurde aber der Anschlag vereitelt und die Weihe konnte ungestört stattfinden“, berichtet die Chronik.

Die ersten Beerdigungen fanden am 14. Mai 1870 statt. Es war zwei Bürger aus Friedrichssegen, denn der dortige Bergmannsfriedhof wurde erst zwei Jahre später in Betrieb genommen. Zuvor war der heutige Schillerpark über 40 Jahre die allgemeine Begräbnisstätte aller Einwohner Oberlahnsteins, außer den Juden, deren Friedhof sich am Ahler Weg befand.

Die neuromanische Leichenhalle in Ziegelsteinmauerwerk mit Basaltsäulen wurde 1889 erbaut. In der Nähe befinden sich die Ehrenfriedhöfe, zum Hang hin die unter Denkmalschutz stehende Gruft der Familie Lessing und am oberen Ende – mit Zugang zum Rheinhöhenweg – die 1981 neuerrichtete Ölbergkapelle.

Das Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71 besteht aus einem 4,5 m hohen Sandsteinobelisken mit Krone, errichtet 1871 im Auftrag des Kriegervereins Concordia. Nicht weit davon entfernt steht das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Es enthält einen 1928 errichteten Sandsteinblock mit der Aufschrift „Seinen tapferen Helden die dankbare Stadt Oberlahnstein“. Davor ruhen diejenigen gefallenen Soldaten, die in die Heimat überführt wurden oder hier an den Kriegsfolgen starben. Hier liegen auch einige Gefallene des Zweiten Weltkriegs für die auf dem zweiten, südlich gelegenen Ehrenfriedhof kein Platz mehr war.

Dieser zweite Ehrenfriedhof wurde 1960 neugestaltet und mit einer Stele des Koblenzer Bildhauers Rudi Scheuermann versehen. Die Ehrenfriedhöfe genießen nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952 ewiges Ruherecht.

In einem Zeitraum von 80 Jahren wurde der Friedhof mit ca. 4.700 Toten belegt und war nach mehreren Erweiterungen auf eine Größe von 1,32 ha angewachsen. Mit Einweihung des neuen Friedhofs an der Braubacher Straße wurde er am 8. April 1951 geschlossen. Bürger, die zuvor ein Pachtgrab erworben hatten, durften noch bis Ende 1977 auf dem alten Friedhof bestattet werden. Die Nutzungsrechte erloschen mit der neuen Friedhofssatzung, die 1978 in Kraft trat. Gemäß Satzung stand den Gräbern nach Belegung eine Ruhefrist von 25 Jahren zu. 2000 wurde der Friedhof entwidmet.

Auf dem Areal südlich des Ehrenfriedhofs wurde 2008 die Sportanlage für die Schüler der Goetheschule errichtet. Die übrigen Flächen dienen heute als Park.