Montag, 26. Oktober 2020

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Universität Trier

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Gesichtsmasken tragen - ja oder nein?

Umfrage: Die Bereitschaft, einen Schutz zu tragen, ist hoch. Die Politik sollte auf die Gründe dafür eingehen, sagt der Trierer Professor Marc Oliver Rieger.

Die Zustimmung der Bevölkerung, in Corona-Zeiten eine Schutzmaske zu tragen, ist recht hoch. In Geschäften sowie öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden würden - je nach Umgebung - zwischen 50 und 80 Prozent der Befragten einen Gesichtsschutz anziehen. Auf der Straße würden sich dagegen deutlich weniger Menschen mit Maske zeigen – nur etwa jeder Fünfte.

Das hat der Wirtschaftswissenschaftler Professor Marc Oliver Rieger von der Universität Trier herausgefunden. Dazu hat er die Antworten von 274 Teilnehmern in einer zwischen dem 21. und 23. April durchgeführten Umfrage ausgewertet. Die verschärften Pflichten, die ab der kommenden Woche in Deutschland greifen, haben überraschender Weise die Einstellung der Bevölkerung zur Maske nicht verändert. Dies hat ein Vergleich mit einer vor einem Monat ebenfalls von Professor Rieger durchgeführten Befragung ergeben.

Die grundsätzliche Einstellung zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist keine Frage des Alters oder des Geschlechts. Allerdings ergab die Umfrage deutliche Unterschiede bei den Gründen für den Maskengebrauch. Für junge Menschen unter 25 Jahren spielt es kaum eine Rolle, dass sie andere damit schützen können. Älteren ist dagegen sowohl der Selbstschutz wie auch der Eindruck, den sie mit Masken auf Mitmenschen machen, eher egal. Frauen lassen sich kaum durch den Hinweis auf den Schutz anderer überzeugen, zur Maske zu greifen. Männer räumen dagegen dem Eigenschutz keine Priorität ein. Außerdem ergab die Befragung, dass Menschen mit höherem Bildungsabschluss eher eine Maske nutzen würden.

Für die Politik leitet Marc Oliver Rieger aus den Umfrage-Ergebnissen ab, dass eine Verschärfung der Maskenpflicht, beispielsweise auf der Straße, die Akzeptanz eher gefährden könnte. Vielmehr würde eine zielgruppengerechte Ansprache die Zustimmung wahrscheinlich erhöhen. Junge Menschen ließen sich beispielsweise durch populäre Vorbilder zum Maskentragen motivieren. Außerdem sollte ihnen die Angst genommen werden, mit Maske „schief angesehen“ zu werden. Gegenüber jungen Menschen und Frauen sollte die Selbstschutz-Funktion betont werden, bei Männern der Hinweis auf den Schutz anderer.

Die Studie erreicht mit der Zahl der Befragten kein repräsentatives Niveau. „Dennoch haben wir keinen Grund zu der Annahme, dass unsere Schlüsselergebnisse nicht auf eine repräsentativere Stichprobe der Bevölkerung und auf andere, vergleichbare Länder übertragbar wären. Die Ergebnisse scheinen sehr robust zu sein. Weitere Studien sind jedoch erforderlich“, so Professor Marc Oliver Rieger.

Lewentz appelliert: Weiterhin Abstände und Regeln einhalten

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Lewentz appelliert: Weiterhin Abstände und Regeln einhalten

Innenminister Roger Lewentz hat zu den seit Montag geltenden Lockerungen der Corona-Verordnung eine erste Bilanz aus polizeilicher Sicht gezogen. Demnach ist mit insgesamt 454 durch die Polizei erfassten Verstößen am Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche keine grundlegende Trendumkehr im Verhalten festzustellen. Die Zahl ordnet sich trotz erster Lockerungen in ein insgesamt niedriges Niveau an Ordnungswidrigkeiten ein.

Innenminister Roger Lewentz hat zu den seit Montag geltenden Lockerungen der Corona-Verordnung eine erste Bilanz aus polizeilicher Sicht gezogen. Demnach ist mit insgesamt 454 durch die Polizei erfassten Verstößen am Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche keine grundlegende Trendumkehr im Verhalten festzustellen. Die Zahl ordnet sich trotz erster Lockerungen in ein insgesamt niedriges Niveau an Ordnungswidrigkeiten ein.

„Gerade vor dem Hintergrund frühlingshafter Temperaturen zeigen die Zahlen eine erfreuliche und lobenswerte Entwicklung. Trotzdem darf jetzt keine Leichtsinnigkeit eintreten. Ziel muss bleiben, die Ansteckungsgefahr weiterhin zu minimieren“, so Lewentz.

Die vergangenen Wochenenden zeichnen ein landesweit betrachtet positives Bild. Am ersten Aprilwochenende waren im Mittel noch 358 Verstöße pro Tag gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung von der Polizei registriert worden. Am Osterwochenende lag die Zahl nur noch bei durchschnittlich 279 Verstößen pro Tag. Am vergangenen Wochenende konnte diese Zahl mit durchschnittlich 245 Verstößen pro Tag noch einmal unterschritten werden.

Die sinkende Zahl der Neuerkrankungen und die aktuelle Reproduktionszahl seien zwar eine Bestätigung, dass die derzeitigen Entbehrungen der richtige Weg seien und erstmalige Lockerungen möglich erschienen, trotzdem sei ein verantwortungsbewusstes und umsichtiges Handeln aller weiter nötig, so Lewentz. Der Minister appellierte gemeinsam mit Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Ordnungsamt auch vor dem anstehenden ersten Wochenende mit Lockerungen an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger: „Halten Sie weiterhin die Abstände ein. Beachten Sie die Hygienevorgaben. Bleiben Sie möglichst innerhalb Ihres eigenen Hausstandes.“ Nur so seien sinkende Infektionszahlen zu erzielen, die im weiteren Verlauf Lockerungen zuließen.

Auch die ab kommenden Montag geltende Maskenpflicht, die eine Mund-Nasen-Bedeckung oder eine Alltagsmaske im ÖPNV und beim Einkaufen vorschreibt, könne die Ansteckungsgefahr weiter drosseln nach dem Motto der Landesregierung „Ich schütze Dich, Du schützt mich“. Eine neue Sicherheit, die Abstände zu anderen während des Tragens einer Alltagsmaske wieder reduzieren zu können, sei jedoch ein Trugschluss. Auch mit Mund-Nasen-Bedeckung oder Alltagsmaske ändere sich nichts an den geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Wie wirksam sind Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung von Corona?

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Wirtschaftsinformatiker des DKFI und der Universität Trier spielen mithilfe Künstlicher Intelligenz Pandemie-Szenarien durch. Teilnehmer an Online-Umfrage gesucht.

Was passiert, wenn eine wegen Corona geschlossene Schule wieder geöffnet wird? Welche Auswirkung hat es, wenn nur knapp die Hälfte der Bevölkerung – erfahrungsgemäß eher junge Menschen – eine App nutzt, die zur Eindämmung des Coronavirus beitragen soll?

Diese und weitergehende Szenarien können mit Methoden Künstlicher Intelligenz im Computer nachgebildet werden. Dazu setzen die Wissenschaftler sogenannte Simulationsmodelle ein, die mit verschiedenen Parametern, wie Krankheitsverläufen und Verhaltensmustern von Menschen, gefüttert werden. Diese Simulationen berechnen, wie Menschen bei der Arbeit, in Schulen oder in der Freizeit zusammentreffen und ein Virus sich ausbreiten kann. Die berechneten Ergebnisse können bei der Einschätzung helfen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche eher nicht.

Schon vor mehreren Jahren hatte sich Ingo Timm, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Trier und Leiter des Themenfelds Kognitive Sozialsimulation am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), mit Simulationsmodellen zur Ausbreitung der Grippe beschäftigt. Jetzt rechnen er und sein Mitarbeiter Dr. Jan Ole Berndt verschiedene Maßnahmen für die Corona-Pandemie durch. „Wir sind dabei, das erfolgreiche Grippe-Modell an die Corona-Pandemie anzupassen, und erste Tests sind vielversprechend“, sagt Berndt.

„Computersimulation hat für das Pandemiemanagement großes Potenzial. Dabei integrieren wir Wissen und Erkenntnisse aus der Medizin, der Sozialforschung und der Psychologie. Da die Verbreitung des Virus vom Verhalten von Menschen und Faktoren wie zum Beispiel Schulschließungen abhängig ist und wir das in unseren Simulationsmodellen darstellen, wollen wir so die Wirksamkeit dieser Maßnahmen besser einschätzen lernen“, sagt Timm. Erste Ergebnisse ihrer Simulationen wollen die Wissenschaftler schon in einem Monat präsentieren.

Um das Verhalten von Personen in der aktuellen Situation in die Simulationsmodelle zu überführen, haben die Wissenschaftler eine Online-Umfrage gestartet. Gesucht werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersgruppen. Die Umfrage läuft bis zum 22. April 2020 und ist über folgenden Link erreichbar: www.umfrage.wi1.uni-trier.de

Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2020

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Medikamenteneinnahme mit zittriger Hand

Wie bekomme ich den Deckel auf

Mainz, den 8. April 2020 – Schüttellähmung ist der deutsche Name von Morbus Parkinson und beschreibt die wichtigsten Symptome. Unkontrollierbares Zittern mit verlangsamten Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit sind die typischen Merkmale der Erkrankung. Hauptursache ist ein Mangel an dem Nervenbotenstoff Dopamin. Was Patienten und Angehörige über Parkinson rund um die Arzneimitteleinnahme wissen sollten, erklärt der Apothekerverband Rheinland-Pfalz – LAV zum weltweiten Parkinson-Tag.

Ob Medikamentenblister, Augentropfen oder andere Arzneimittelfläschchen: Durch die steifen Gliedmaßen fällt es Betroffenen schwer, mit Folien versehene Arzneimittelblister oder schwer gängige Drehverschlüsse zu öffnen. So ist es gut, wenn die täglich einzunehmenden Tabletten in kleinen Bechern oder Schälchen bereitgestellt werden. In fortgeschrittenem Krankheitsfall ist eine selbstständige Tropfeneinnahme kaum möglich, sobald der Tremor, also das Zittern in der Hand, begonnen hat. „Kommt ein Parkinson-Patient in die Apotheke und benötigt etwas gegen Husten oder Magenbeschwerden, empfehle ich keine flüssigen Arzneimittel, sondern andere Darreichungsformen. Das können Tabletten zum Schlucken oder Lutschen sein“, erklärt Petra Engel-Djabarian, Vorstand des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz – LAV. Wer unbedingt Augentropfen benötigt, kann in der Apotheke Dosierhilfen bekommen, mit denen die Anwendung erleichtert wird. Sie unterstützen Patienten zum Beispiel beim Quetschen der Flasche oder „Zielen“ ins Auge.

Patienten, die an Morbus Parkinson erkrankt sind, sollten sich generell eher eiweißreduziert ernähren, führt die Apothekerin weiter aus: „So werden dopaminhaltige Medikamente besser aufgenommen. Außerdem kann so die Verstopfung, unter der Erkrankte häufig leiden, reduziert werden.“ Weil es sehr anstrengend ist, lange dauert und leider auch häufig gekleckert wird, essen und trinken viele Parkinsonpatienten zu wenig. Für einen guten Allgemeinzustand ist es aber wichtig, ausreichend zu trinken und sich ausgewogen zu ernähren. Betroffene müssen außerdem darauf achten, ihre Tabletten oder Kapseln besonders regelmäßig zu nehmen, damit sie ihren Dopamin-Spiegel möglichst konstant halten. Die Arznei muss genau nach Anweisung eingenommen werden, weil es wichtige Unterschiede gibt. „L-Dopamin-Medikamente mit dem Wirkstoff Levodopamin müssen in der Regeln eine halbe Stunde vor dem Essen oder anderthalb Stunden nach dem Essen eingenommen werden. Wer hingegen Dopamin-Agonisten mit Wirkstoffen wie Amantadin oder Pramipexol benötigt, sollte die immer mit einer Mahlzeit oder einem Snack einnehmen“, macht Engel-Djabarian deutlich.

Weaningzentrum rezertifiziert

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Bereits zum 3. Mal wurde das Weaningzentrum der Hufeland-Klinik Bad Ems zertifiziert.

Bad Ems. Künstliche Beatmung auf einer Intensivstation rettet in medizinischen Notfällen und im OP Menschenleben. Fast 40 Prozent der beatmeten Patienten fällt es aber anschließend schwer, vom Beatmungsgerät entwöhnt zu werden (weaning), um wieder selbst zu atmen.

In der Hufeland-Klinik in Bad Ems werden Patienten, die über einen längeren Zeitraum lebenserhaltend-intensivmedizinisch behandelt wurden, von der Langzeitbeatmung entwöhnt. „Im Bereich der Beatmungsmedizin haben wir besondere Kompetenzen aufgebaut“, so Chefarzt Dr. Wolfgang Neumeister, „weshalb es uns hier gelingt, Patienten, die aus anderen Krankenhäusern zu uns verlegt werden, vom Beatmungsgerät zu lösen und sie wieder ins Leben zu integrieren.“ Mit dafür verantwortlich, dass das hier so häufig gelingt, ist neben der langjährigen Erfahrung in der Klinik die besondere medizinische Ausstattung des Hauses. „Die 16 Betten unserer Weaningstation sind eigentlich immer belegt“, erklärt Stationsleiter Hendrik van ‘t Hoff-Haas.

Die deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat das Weaningzentrum der Hufeland-Klinik Bad Ems nun bereits zum 3. Mal in Folge zertifiziert. Geprüft wurden u. a. die technische, räumliche und personelle Ausstattung, die Prozess- und Ergebnisqualität sowie die Zusammenarbeit im interdisziplinären Behandlungsteam.

„Gerade die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team und ein strukturierter Behandlungsplan sind für den Erfolg der Maßnahme von besonderer Bedeutung“, erläutert Oberarzt Christoph Lesch. Denn es braucht speziell ausgebildete Ärzte, Pflegefachkräfte, Atmungstherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Psychologen und Ernährungstherapeuten, um die Atemmuskulatur Schritt-für-Schritt wieder zu mobilisieren, dem Patienten sein Vertrauen in den eigenen Körper wieder zu vermitteln und Begleiterkrankungen jederzeit mit zu berücksichtigen.

Die Entwöhnung kann 14 Tage, aber auch mehrere Monate dauern – je nachdem, wie lange der Patient vorab beatmet wurde. Auch gelingt es nicht immer, den Patienten komplett vom Beatmungsgerät zu entwöhnen, aber schon einige Stunden sind ein echter Zugewinn an Lebensqualität – schließlich kann in dieser Zeit ganz normal mit Angehörigen gesprochen, gegessen und am Leben teilgenommen werden.

Gelingt die Entwöhnung vom Beatmungsgerät, können die Patienten im Anschluss ihre Rehabilitationsbehandlung direkt in der Hufeland-Klinik durchführen, um anschließend ein möglichst selbstständiges Leben in ihrer häuslichen Umgebung zu führen. „Das ist einer unserer großen Vorteile“, so Dr. Neumeister. „Wir bieten akut- und rehapneumologische Maßnahmen unter einem Dach an. Einer von vielen Faktoren, den die Prüfgesellschaft bei uns gelobt hat.“

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