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Job macht Pflegekräfte krank und zu Frührentnern

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Mainz, 18. Februar 2021 – Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz melden sich deutlich häufiger krank und gehen öfter gesundheitsbedingt in Frührente als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten im Land. Das zeigt der Pflegereport der BARMER, den Forscher der Universität Bremen für die Krankenkasse erstellt haben. „Rheinland-Pfalz hätte auf einen Schlag rechnerisch 1.100 Pflegekräfte mehr, wenn Beschäftigte in der Pflege genauso gesund wären wie die übrigen Beschäftigten im Land. Für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege können Land und Arbeitgeber sorgen“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Dazu würden eine angemessene Vergütung sowie möglichst planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten gehören.

Laut Report waren 9,2 Prozent der rheinland-pfälzischen Hilfskräfte in der Alten- und Krankenpflege im Mittel der Jahre 2016 bis 2018 krankgeschrieben. Das bedeutet, dass in diesem Zeitraum an einem durchschnittlichen Kalendertag von 1.000 Pflegehilfskräften in Rheinland-Pfalz 92 arbeitsunfähig gemeldet waren. Dieser Wert liegt 84 Prozent über dem Krankenstand (5,0 Prozent) der übrigen Berufe in Rheinland-Pfalz im Auswertungszeitraum. Er gehört zu den höchsten Werten im Vergleich aller Bundesländer. Auch der Krankenstand der rheinland-pfälzischen Altenpflegefachkräfte (7,2 Prozent) und Krankenpflegefachkräfte (6,3 Prozent) liegt deutlich über dem Landesmittel der übrigen Berufe für die Jahre 2016 bis 2018.

Pflegekräfte gehen oft in Frührente

Wie gesundheitsbelastend Pflege ist, zeigt auch die hohe Quote von Beschäftigten in Pflegeberufen, die nicht bis zur Altersrente durchhalten. So gingen im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 von 1.000 Altenpflegehilfskräften in Rheinland-Pfalz fünf in die Erwerbsminderungsrente (0,51 Prozent). Von den Erwerbstätigen in den sonstigen Berufen waren es nur drei (0,32 Prozent). Auch rheinland-pfälzische Krankenpflegehilfskräfte (0,50 Prozent) und Krankenpflegefachkräfte (0,45 Prozent) gingen vergleichsweise oft gesundheitsbedingt in Frührente. Kleis sagt: „Arbeitgeber in der Pflege müssen ihr Engagement beim betrieblichen Gesundheitsmanagement ausbauen. Übungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen sowie Kursen gegen Stress und psychische Belastung sollte mehr Raum gegeben werden.“

Nach den Worten von Kleis hat die Corona-Pandemie die Arbeitsbedingungen in der Pflege verschärft: „Hygieneschutzmaßnahmen und die Versorgung von Heimbewohnern in Quarantäne haben für das Pflegepersonal Mehraufwand bedeutet. Pflegebedürftige konnten nur eingeschränkt oder gar keinen Besuch empfangen, was diese oft depressiv verstimmt hat.“ Die resultierenden Mehrbelastungen hätten mit einer pandemiebedingt verringerten Personaldecke gestemmt werden müssen. „Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist gestiegen. Hierzu tragen die Konfrontation mit schweren Krankheitsverläufen und dramatischen Todesfällen sowie die Angst vor Ansteckung bei“, meint Kleis. Schon ohne Corona-Pandemie sei die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte hoch gewesen.

Gesundheit von Heim-Beschäftigten leidet körperlich und psychisch

Datenauswertungen der BARMER liefern Hinweise darauf, dass besonders Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen unter der Arbeitsbelastung leiden. So waren Beschäftigte in Heimen im Jahr 2019 in Rheinland-Pfalz 29,0 Tage arbeitsunfähig zuhause. Der Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen lag dagegen bei nur 18,5 Arbeitsunfähigkeitstagen. Sehr hoch sind dabei die Fehlzeiten in der Belegschaft rheinland-pfälzischer Heime wegen psychischer Leiden wie zum Beispiel Depressionen. Seelische Erkrankungen sorgten bei Heimmitarbeitern für durchschnittlich 7,6 Krankentage. Im Landesmittel waren Erwerbspersonen nur 3,6 Tage arbeitsunfähig infolge psychischer Leiden.

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenschmerzen sind mit durchschnittlich 7,4 Arbeitsunfähigkeitstagen ein weiterer Hauptgrund für die hohen Fehlzeiten von Beschäftigten in Heimen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2019. Dieser Wert übertrifft den Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen von 4,1 Krankentagen deutlich. Kleis sagt: „In den Pflegeberufen ist eine Aus- und Weiterbildungsoffensive zwingend nötig. Der Gesetzgeber hat mit der Konzertierten Aktion Pflege, die bis zum Jahr 2023 einen deutlichen Zuwachs an Ausbildungsplätzen vorsieht, einen wichtigen Schritt gemacht.“ Allerdings richte sich der Fokus dabei nur auf Pflegefachkräfte. Das reiche nicht aus: „Die Pflegedienste und -heime müssen verstärkt auch Ausbildungsplätze für Pflegehilfskräfte anbieten.“

200.000 Corona-Schutzimpfungen in Rheinland-Pfalz verimpft

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Erstimpfungen in nahezu allen Pflegeeinrichtungen absolviert

„Mehr als 200.000 Impfungen in Rheinland-Pfalz seit dem bundesweiten Impfstart vor nur rund sechs Wochen zeigen, dass wir mit unserem Vorgehen bei den Corona-Schutzimpfungen auf einem sehr guten Weg sind“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Die Zahlen belegen, wie leistungsfähig und verlässlich unser dreigliedriges System mit Impfungen in den neu errichteten Impfzentren, über die mobilen Teams sowie in den Krankenhäusern ist. Ich kann allen Beteiligten für diesen tollen Erfolg und das große Engagement, das dahintersteht, nur ausdrücklichen danken. So ermöglichen wir alle gemeinsam den bestmöglichen Schutz für die Menschen in Rheinland-Pfalz.“

Innerhalb von nur sechs Wochen hat es in Rheinland-Pfalz bereits 201.075 Corona-Schutzimpfungen gegeben. Stand Sonntagabend haben 146.797 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer ihre Erstimpfung erhalten, mehr als ein Drittel (54.278) davon auch schon die Zweitimpfung. Damit liegt Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich der Länder auch bei den Zweitimpfungen in der oberen Hälfte. Bei den Erstimpfungen hat kein anderes Bundesland anteilig so vielen seiner Einwohner bereits einen ersten Corona-Schutz anbieten können.

Auch in den Alten- und Pflegeeinrichtungen kommen die Erstimpfungen sehr zügig voran. Mehr als 99 Prozent – exakt 472 der 474 Einrichtungen – konnten bislang bedient werden. Die beiden noch ausstehenden Häuser werden in Kürze Erstimpfungen erhalten. Auch die Termine für die Zweitimpfungen sind in nahezu allen Einrichtungen vergeben. „Das ist eine großartige Leistung, die wir in erster Linie den engagierten Mitarbeitenden in den Einrichtungen sowie den mobilen Impf-Teams zu verdanken haben, aber auch den hausärztlichen Teams, die in vielen Pflegeeinrichtungen nach einer entsprechenden Eigenorganisation geimpft haben“, sagten Ministerpräsidentin Dreyer und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Gleichzeitig kündigte Ministerin Bätzing-Lichtenthäler weitere Erstimpfungen für die Personen der Gruppe mit höchster Priorität an, die beim ersten Besuch der mobilen Impfteams in den Einrichtungen nicht geimpft werden konnten, aber grundsätzlich impfbereit sind. Für die Mitarbeitenden sowie die Bewohnerinnen und Bewohner soll es in den kommenden Wochen ein zweites Angebot für eine erste Corona-Schutzimpfung geben. „Die Impfquoten sind mit rund 80 Prozent bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie rund 70 Prozent bei den Mitarbeitenden erfreulich hoch“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. „Dennoch werden wir auf jeden Fall einen zweiten Durchgang organisieren, in dem in den Einrichtungen alle Personen mit höchster Priorisierung zum Zuge kommen können, die sich erst später für eine Impfung entschieden haben oder die bei der ersten Runde nicht dabei sein konnten.“ Auch die zweite Runde wird durch mobile Impf-Teams oder in Eigenorganisation erfolgen. Die Vorbereitungen laufen.

Mit Stand vom 7. Februar abends haben bereits 34.940 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten, 10.317 von ihnen auch schon die Zweitimpfung. Bei den Mitarbeitenden liegen die Zahlen bei 30.440 (Erstimpfung) beziehungsweise 9188 (Zweitimpfung). In Rheinland-Pfalz leben etwa 42.000 Personen in einer Pflegeeinrichtung, beschäftigt sind dort rund 40.000 Mitarbeitende.

Kenntnis alternativer Corona-Strategie steigert Impfbereitschaft und Durchhaltekräfte

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Zunehmend mehr Wissenschaftler fordern in Deutschland ein Umdenken im Kampf gegen die Pandemie – auch Professor Marc Oliver Rieger von der Universität Trier.

Vordergründig hat der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier in einer Studie mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmern untersucht, was deutsche Bürger über die Corona-Lage in Ostasien wissen. Bei der Frage nach der Zahl der COVID-19-Toten zeigte sich beispielsweise, dass die hierzu befragten Teilnehmer die Anzahl der am Virus gestorbenen Menschen in Deutschland deutlich unterschätzen, diejenige in China, Taiwan oder Australien jedoch deutlich überschätzen.

Bedeutender als diese Fehleinschätzung ist im Hinblick auf die Corona-Strategie aber ein weiteres Ergebnis der Befragung: Die Einstellungen zu sozialer Distanzierung und einer Impfung hängen signifikant mit dem Kenntnisstand über die Corona-Lage in Ostasien zusammen.

„Wenn Menschen bewusst ist, dass in Taiwan, China oder Australien COVID-19 quasi bezwungen ist, sehen sie die Pandemie weniger als ein unabänderliches Schicksal an und halten Schutzmaßnahmen oder eine Impfung generell für sinnvoller“, erläutert Professor Rieger den Zusammenhang. Er plädiert daher schon aufgrund dieses Effekts für eine intensivere Auseinandersetzung in Deutschland mit den erfolgreichen Corona-Strategien in Australien und Ostasien. Damit steht er in einer Linie mit den prominenten Vertretern der „No Covid“-Strategie, der Braunschweiger Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann und dem Kölner Intensivmediziner Prof. Dr. Michael Hallek.

Die zwischen März 2020 und Januar 2021 durchgeführten Befragungen offenbaren zwar, dass in Deutschland das Wissen über die Corona-Situation in Ostasien spärlich ist. „Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Vorbildfunktion Ostasiens und Australiens im Umgang mit der Pandemie von mehr und mehr Deutschen wahrgenommen wird“, ergänzt Marc Oliver Rieger. Der Anteil der Personen, die von diesen Ländern lernen wollen, stieg von 33 Prozent im Frühjahr 2020 auf inzwischen mehr als 60 Prozent.

Die Studie „East Asia’s success against COVID-19 – acclaimed or ignored?” wird in „Economic Bulletin“ veröffentlicht.

Wenn plötzlich die Worte fehlen

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Holger Wolf informiert sich bei Aphasie-Selbsthilfegruppe Waldbreitbach

Es kann jede und jeden treffen: Durch Krankheit oder einen Unfall fehlt von einem Tag auf den anderen die Fähigkeit, mit Worten zu kommunizieren. Menschen, die von einem plötzlichen Sprachverlust - der Fachbegriff ist „Aphasie“ - betroffen sind, müssen das Sprechen und oft auch das Schreiben erst wieder erlernen.

Holger Wolf informierte sich bei Hermann-Josef Wester von der Aphasie-Selbsthilfegruppe Waldbreitbach über die Arbeit der Initiative.

Aphasie ist eine Sprachstörung, die nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte auftreten kann. Ursache einer solchen Schädigung ist in vielen Fällen ein Schlaganfall. Andere mögliche Ursachen sind Hirnblutungen, Hirntumore, entzündliche Prozesse oder Schädelhirnverletzungen (etwa nach einem Unfall). Wer unter einer Aphasie leidet, kann häufig selbst alltägliche Dinge nicht mehr benennen. Er oder sie weiß, dass auf dem Tisch ein Teller und ein Messer liegen, aber es fehlen einfach die Worte. Eine schreckliche Situation für die Betroffenen und für ihre Angehörigen.

Der Weg zurück zur Sprache ist mühsam, kann aber mit Unterstützung durch eine Sprachtherapie gelingen. Wichtig ist es, nicht den Mut zu verlieren. Im Landesverband Aphasie Rheinland-Pfalz und in örtlichen Aphasie Selbsthilfegruppen unterstützen sich Betroffene und ihre Familien gegenseitig.

„Aphasiker bekommen zwar alles um sich herum mit, doch sie können sich nicht ausdrücken“, erklärt Hermann-Josef Wester von der Selbsthilfegruppe Waldbreitbach. „Viele ziehen sich zurück und werden depressiv. Doch Gruppen wie unsere sind ein gutes Mittel dagegen. Wir aktivieren uns gegenseitig und das ist wichtig“.

Auch zwanzig Jahre nach seinem Schlaganfall trainiert Hermann-Josef Wester jeden Tag zwei Stunden Lesen und Schreiben: „Gelegentlich fehlen mir immer noch einzelne Wörter und so muss ich sie dann umschreiben“.

Von der Politik und den Krankenkassen fühlen sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe nicht richtig wahrgenommen: "Jedes Jahr kommen 8000 Aphasiker hinzu, aber es gibt keine Auswertungen, die sich auf unseren Unterstützungsbedarf konzentrieren. Das ist anscheinend nicht gewollt", so Wester.

Holger Wolf, der selbst im sozialen Bereich arbeitet, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Der medizinische Dienst der Krankenkassen konzentriert sich noch immer vor allem auf die Fähigkeiten zur Motorik. Eine fehlende Aussprache wird oftmals in der Einschränkung und dem Unterstützungsbedarf viel zu niedrig bewertet. Diagnosen sollten automatisch zu einer Bedarfsprüfung führen, ohne dass die Betroffenen sich zuerst informieren und durch lange Anträge arbeiten müssen“.

Herr Wester lädt alle an der Arbeit der Selbsthilfegruppe interessierten zur Kontaktaufnahme per Email über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder über die Rufnummer 02683–9437010 ein.

Foto: Hermann-Josef Wester, Holger Wolf

Pioniere aus der Not heraus: 35 Jahre Kampf gegen den Blutkrebs

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Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei feiert Jubiläum

Vor 35 Jahren gründeten Hiltrud und Emil Morsch aus dem rheinland-pfälzischen Birkenfeld die Stefan-Morsch-Stiftung – mit dem Ziel, Menschen mit Blutkrebs eine echte Chance auf Überleben zu ermöglichen. Deutschlands erste Stammzellspenderdatei soll dabei helfen, einen geeigneten, nicht-verwandten Stammzellspender für Betroffene zu finden. Das Ehepaar verwirklichte damit den Traum ihres verstorbenen Sohnes Stefan – und schenkt vielen Erkrankten und ihren Familien damit neuen Mut und Hoffnung auf Leben.

Anfang der 1980er Jahre erkrankt der damals 16-jährige Stefan Morsch aus dem rheinland-pfälzischen Birkenfeld an Leukämie. Seine Schwester Susanne, heutige Vorstandsvorsitzende der Stiftung, war damals acht Jahre alt. Stefan benötigt eine Stammzelltransplantation, um überleben zu können – doch kein Familienmitglied kommt als Spender in Frage. Was heute fast selbstverständlich ist, war damals medizinisches Neuland: die Übertragung von Stammzellen eines nicht-verwandten Spenders. Es gab nichts, worauf die Familie ihre Hoffnung setzen konnte: „Aber meine Eltern haben niemals aufgegeben. In England fanden sie eine Spenderdatei und einen passenden Spender. Eine Klinik in Seattle war bereit, die Transplantation durchzuführen“, erzählt Susanne Morsch rückblickend. Die Kosten für die noch experimentelle Behandlung wurden von den Krankenkassen allerdings nicht übernommen und die Familie musste sie selbst tragen – ein herber Rückschlag für ihr Hoffen. Ein Geldspendenaufruf bewegte dann über den Hunsrück hinaus bundes- und weltweit Menschen dazu, die Familie in ihrem verzweifelten Kampf um das Leben ihres Kindes zu unterstützen. „Ich erinnere mich an lange Schlangen vor den Banken. Kinder gaben alles, was in ihrem Sparschwein war. Das war unglaublich und für uns sehr bewegend“, beschreibt die heutige Vorstandsvorsitzende der Stiftung ihre Gefühle. Innerhalb kürzester Zeit kam genug Geld zusammen. Stefan Morsch war der erste Europäer, dessen Leukämie durch die Transplantation fremder Stammzellen geheilt wurde. Doch kurz vor der geplanten Heimreise verstirbt er an den Folgen einer Lungenentzündung. Aber ein besonderer Wunsch von ihm wirkt weit über seinen Tod hinaus: „Bei einem Interview vor laufender Kamera rang Stefan unserem Vater das Versprechen ab, dass sie gemeinsam eine Stammzellspenderdatei aufbauen, um anderen Betroffenen zu helfen. 1986 haben meine Eltern dieses Versprechen in die Tat umgesetzt und der Stiftung seinen Namen gegeben.“

Was zunächst am Wohnzimmertisch der Familie Morsch beginnt, ist heute eine hocheffiziente und international vernetzte Datei. Jedes Jahr werden von hier aus rund 600 lebensrettende Spenderinnen und Spender für Betroffene weltweit gefunden und vermittelt. So können sich Menschen rund um den Globus gegenseitig helfen. Ein Meilenstein in der Geschichte ist die Eröffnung des eigenen Speziallabors, in dem Mitarbeiter seit 23 Jahren Blut- und Speichelproben möglicher Lebensretter auf die transplantationsrelevanten Merkmale hin analysieren. Auch ein internationales Suchzentrum, das im Auftrag von Kliniken seit rund 20 Jahren weltweit passende Spender sucht, ist an die Stiftung angeschlossen. Ein weiteres wichtiges Anliegen der gemeinnützigen Organisation ist, für Betroffene ein Ansprechpartner zu sein und sie persönlich in dieser schwierigen Zeit zu begleiten. Die Stiftung bietet auch Unterstützung, wenn Patienten durch die Erkrankung in finanzielle Not geraten sind. Das ist nur möglich durch Geldspenden, mit deren Hilfe ebenfalls die Kosten für die Neuregistrierungen von potenziellen Lebensrettern realisiert werden können. Außerdem fördert die Einrichtung regelmäßig Forschungsvorhaben, mit dem Ziel, die Behandlung von Leukämiepatienten nachhaltig zu verbessern. „Es war ein weiter Weg von unserem Wohnzimmer bis zu einer international anerkannten und vernetzten Einrichtung mit mehr als 70 Mitarbeiter. Ich denke, Stefan wäre stolz. Was sich in den 35 Jahren allerdings nicht geändert hat: Damals wie heute nehmen wir Leukämie persönlich. Wir haben die Menschen und ihre Situation im Blick. Unser Ziel ist es deshalb, für jeden Menschen mit Blutkrebs einen passenden Spender zu finden“, betont die Vorstandsvorsitzende.

Wie kaum eine andere medizinische Therapie ist die Stammzelltransplantation auf Solidarität angewiesen. Denn ohne Menschen, die freiwillig und unentgeltlich Stammzellen spenden, etwa für Leukämiekranke, hätten allein in Deutschland jedes Jahr etwa 3.500 Menschen mit Leukämie keine Chance zu überleben. „Die Diagnose Blutkrebs ist für Betroffene und ihre Familien ein Alptraum. Pläne lösen sich plötzlich in Luft auf, der Alltag bricht zusammen und die Erkrankung breitet sich in alle Lebensbereiche aus. Dennoch gibt es heute Hoffnung: durch die Transplantation von Stammzellen eines sogenannten genetischen Zwillings, der die gleichen genetischen Gewebemerkmale hat, wie der Patient“, erklärt Susanne Morsch.

Aktuell macht sich die gemeinnützige Organisation auch für die Bekämpfung der Corona-Pandemie stark. So beteiligte sich das Labor maßgeblich an einer Forschungsstudie und unterstützt im Auftrag des Gesundheitsamtes bei der Testung von Verdachtsfällen. „Bei der Stammzellübertragung ist Solidarität und Zusammenhalt gefragt. Das Gleiche gilt auch für Corona“, betont Susanne Morsch. Die aktuellen Auflagen stellen aber auch die Suche nach neuen Stammzellspendern vor Herausforderungen: „Typisierungsaktionen vor Ort sind aktuell nicht möglich. Deshalb fehlen uns jetzt, zu Beginn unseres Jubiläumsjahres, über 10.000 neue Spender im Vergleich zu 2019. Doch Blutkrebs macht trotz Covid-19 keine Pause. Nach wie vor erkranken Menschen daran und sind auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. Gleichzeitig fallen jedes Jahr viele Spender weg, aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Es ist mehr denn je wichtig, dass sich vor allem junge Menschen bei uns registrieren“, erklärt Susanne Morsch. Dies ist, ganz Corona-konform und einfach, über die Homepage der Stiftung möglich, unter www.stefan-morsch-stiftung.de. Dort muss man lediglich drei kurze Fragen beantworten und seine Kontaktdaten angeben. Dann erhält man ein Registrierungs-Set per Post mit genauer Anleitung, um eine Speichelprobe durchzuführen. Diese muss dann lediglich an die Stiftung zurückgeschickt werden.

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