Dienstag, 01. Dezember 2020

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Quo vadis Gesundheitsversorgung?

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Alle Krankenhäuser im Kreis sind gefährdet...

Leserbrief von Hans-Peter Meyer

Der bundesweit und auch in Rheinland-Pfalz grassierende Sanierungs-Wahnsinn nimmt kein Ende und hat auch den Rhein-Lahn-Kreis und andere Regionen erreicht.
Immer mehr Krankenhäuser sind von einer Schließung bedroht.

Ständig werden neue verwirrende Varianten präsentiert und es ist immer nur von finanziellen und wirtschaftlichen Problemen die Rede. Die tatsächlichen Probleme der Menschen vor Ort spielen nur noch eine völlig untergeordnete unwichtige Rolle.

"....Unter den derzeitigen bundespolitischen Rahmenbedingungen wird kein Krankenhausstandort im Rhein-Lahn-Kreis die nächsten fünf bis acht Jahre überleben. Diese düstere Kernaussage haben die Verantwortlichen des St.-Elisabeth-Vinzenz-Verbundes (EVV), eine katholische Trägergesellschaft, erst kürzlich getroffen und gefordert „Strukturen, die über Krankenhausträgergrenzen hinweg halten“.

Es ist genau jene Trägergesellschaft, deren seinerzeitiger Sanierungs-Manager vor nicht allzu langer Zeit eifrig beschäftigt war mit drastischen personellen Abwerbungen (Ärzte und Pflegepersonal etc.) von der Paracelsusklinik Bad Ems zum St. Elisabeth-Krankenhaus nach Lahnstein.

Nein, das war kein normaler Konkurenzkampf, das sind Destruktionsmethoden im Gesundheitsbereich, offenbar inzwischen zugelassen durch Beschlüsse und Gesetzesvorgaben der Politik, ein Beleg dafür, das Gesundheit und die damit verbundenen verhängnisvollen gescheiterten Privatisierungstendenzen zu einem einträglichen inhumanen Geschäftsmodell geworden sind.

In Bad Ems wurde nach der Insolvenz der Paracelsus Kliniken Gesellschaft durch die Übernahmen der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse Group AG der Fortbestand zunächst gesichert.

Die einst weit über die Grenzen hinaus so renommierte Hufeland-Klinik in Bad Ems mit einer über die Landesgrenzen hinaus hoch geschätzten Pneumologischen Abteilung und auch das Marienkrankenhaus Nassau mit der Geriatrischen Fachabteilung wurden von der vorerwähntenTrägergesellschaft Elisabeth Vinzenz Verbund (EVV) übernommen. Das Sanierungsmanagement der EVV beabsichtigte noch unlängst, die finanziell lukrativen Gesundheitsabteilungen nach Lahnstein zu verlagern, was eine Schließung der Hufeland-Klinik und eine weitere massive Schwächung des Gesundheitsstandortes Bad Ems bedeutet hätte. Diese Art ist verhängnisvoll und die Landesregierung sieht mit Hinweis auf die Zuständigkeit der Trägergesellschaften tatenlos zu. Die Betreibergesellschaften verweisen auf die strengen tlw. höchst desolaten von der Politik vorgegebenen gesetzlichen Rahmenbedingen. Ein unwürdiges Schwarze Peter-Spiel vor allem zu Lasten der ländlichen Bevölkerung.

Seit der ViaSalus-Insolvenz ist die rheinland-pfälzische Krankenhauslandschaft verstärkt in Unruhe und aus den Fugen geraten.

Die Bevölkerung ist zunehmend drastisch verunsichert. Vertraute und bisher patientennah zu erreichende Häuser werden strategisch "ausgeblutet", für wirtschaftlich unrentabel erklärt, stehen folglich vor dem Kollaps und sollen geschlossen werden.

Rücksichtslos agierende nur auf Gewinnmaximierung fixierte hoch dotierte Sanierungsmanager sind aktiv und um Profilierung bemüht.

Hierzu bedarf es einiger grundlegenden Anmerkungen: Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die merkwürdige Studie der Bertelsmann Stiftung vom 15.07.2019.

Dort heißt es wörtlich: Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich. In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1.400 auf deutlich unter 600 Häuser, würde die Qualität der Versorgung für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern....Das heißt im Klartext: Es wird vorgeschlagen, die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland zu schließen.. Da ist die Richtung der m.E. verhängnisvollen Entwicklung im bundesdeutschen Krankenhauswesen deutlich erkennbar. Wer hat diese Studie in Auftrag gegeben, sollte man wissen?
Diese Studie ist nicht die Lösung. Das ist ein ein rücksichtsloser Kahlschlag in der deutschen Krankenhauslandschaft.

Die Daseinsfürsorge des Staates auch im Hinblick auf eine flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum ist weitgehend verloren gegangen und dieser katastrophale Zustand verschlimmert sich zunehmend. Diese Studie sollte jeder ernsthafte Kritiker lesen. Unser Gesundheitssystem ist hochgradig krank, da ist kein Expertenwissen notwendig, es reicht gesunder Menschenverstand. Die Daseinsfürsorge der Politik insbesondere für die ländliche Versorgung der Bevölkerung ist - wie bereits unmissverständlich angedeutet- längst verloren gegangen. Gesundheit ist zum inhumanen Geschäftsmodell geworden Der Teufelskreislauf in unserem Gesundheitswesen verschlimmert sich zusehends..."Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt", lautet der vertrauenserweckende Slogan einer einst renommierten Krankenhausgesellschaft. Nein, inzwischen steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt der Gesundheitspoltik, sondern die Gewinnmaximierung von Gesundheitskonzernen und privaten Trägergesellschaften. Menschen spielen kaum noch eine Rolle, sie werden nur noch zu Nummern und wirtschaftlichen Zahlen degradiert zugunsten von gewinnbringenden Dividenden. Spezialisten für gnadenlose Sanierung werden angeheuert und haben das unbarmherzige Sagen. Die Trägergesellschaften machen die desolaten Rahmenbedingungen der Politik für die Misere verantwortlich, für die Politik ist das Mißmanagement der Trägergesellschaften schuld.

Ein jämmerliches Schwarze Peter-Schauspiel zu Lasten der Bevölkerung, insbesondere der bedürftigen kranken und alten Menschen. Es ist schon der Punkt erreicht, wo es angesichts von Ärztemangel und hochgradigigen Pflegenotstand höchst gefahrenvoll ist, Patient in einem Krankenhaus zu sein. Wenn sich bei diesem dramatischen gesellschaftspolitischen Problem keine Bewegung bildet ähnlich wie FFF, in diesem Falle "Friday for Gesundheitsfürsorge" wird abolut nichts geschehen, es wird weiter jämmerlich am Gesundheitssystem herumgewurschelt bis nichts mehr geht. Es ist schon eine Schande, dass Gesundheit respektive Krankheit einzig und allein nur vom Geld abhängig ist. Das ist trotz des propagierten technischen Fortschritts in der Medizin der Niedergang des deutschen Gesundheitheitswesens. Ein erbärmliches Armutszeugnis. Die Politik sollte sich schämen. Das ist die brutale Realität.

Jeder kann an jedem Tag von diesen katastrophalen Missständen betroffen sein...
Aufwachen liebe Mitbürger, unentwegt und hartnäckig aktiv werden, empört euch, protestieren, demonstrieren, nicht nur einige wenige, sondern die gesamte Bevölkerung...

Hans-Peter Meyer
56130 Bad Ems

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