Flutkatastrophe verschärft angespannte Lage im rheinland-pfälzischen Tourismus

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Die Hochwasserkatastrophe vom 14./15. Juli im Ahrtal hat neben den verheerenden Auswirkungen für die unmittelbar Betroffenen auch schwerwiegende Folgen für den Tourismus in Rheinland-Pfalz. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes besuchten im Juli 2021 rund 705.000 Gäste das Land; die Übernachtungen beliefen sich auf zwei Millionen. Die Rückgänge gegenüber dem Juli 2020 belaufen sich bei den Gästen auf 20 Prozent und bei den Übernachtungen auf 19 Prozent.

Noch angespannter stellt sich Lage gegenüber den Juli-Ergebnissen von 2019 dar (Gäste: minus 28 Prozent; Übernachtungen: minus 24 Prozent). Auch in angrenzenden Regionen, die nicht von dem Hochwasser betroffen waren, kam es zu Reisestornierungen. Zusammen mit den noch nicht überwundenen Einschnitten durch Corona bedeutete dies erneut hohe Einbußen für die rheinland-pfälzischen Tourismusbetriebe.

Tourismusregionen

Aufgrund der Überflutungen mussten viele Tourismusbetriebe im Ahrtal schließen. Hinzu kamen eine große Zahl an Stornierungen, sodass die Übernachtungen in der Region Ahr um 63 Prozent einbrachen. Von der Stornierungswelle waren neben der Region Ahr vor allem auch die Gebiete Eifel und Mosel-Saar (minus 31 bzw. 29 Prozent) sowie das Rheintal (minus 17 Prozent) betroffen. Die Einbußen bei den Gästen waren in diesen Regionen ebenfalls enorm: In der Region Ahr betrugen diesen 66 Prozent und in den Regionen Eifel sowie Mosel-Saar 33 Prozent bzw. 32 Prozent. Ins Rheintal kamen rund ein Viertel weniger Gäste (minus 25 Prozent). Rückläufig zeigten sich die Übernachtungen auch im Gebiet Westerwald-Lahn sowie in der Pfalz (minus 1,8 bzw. minus vier Prozent). In den Regionen Rheinhessen sowie Hunsrück nahmen die Übernachtungen zu (plus 14 bzw. 8,8 Prozent). Eine positive Gästebilanz konnten die Regionen Rheinhessen, das Naheland (plus 9,1 bzw. 1,1 Prozent) sowie die Pfalz ziehen (plus 0,3 Prozent).

Betriebsarten

Mit Ausnahme der Erholungs-, Ferien und Schulungsheime (Übernachtungen: plus 30 Prozent und Gäste: plus 34 Prozent) waren in allen Betriebsarten die Übernachtungs- und Gästezahlen rückläufig. Mit Abstand am stärksten waren die Campingplätze betroffen (Übernachtungen minus 49 Prozent und Gäste minus 46 Prozent). Deutlich weniger Übernachtungen gab es auch in den Ferienzentren und Pensionen (minus 17 bzw. minus 14 Prozent). In der beliebtesten Betriebsart, den Hotels, gingen die Übernachtungen um 8,7 Prozent zurück. Die Zahl der Gäste nahm bei allen Betriebsarten im zweistelligen Bereich ab. Die Spannweite der Rückgänge reicht von 21 Prozent bei den Pensionen bis elf Prozent bei den Ferienhäusern und Ferienwohnungen sowie Jugendherbergen.

Herkunft

Mit knapp 85 Prozent kam der Großteil der Gäste im Juli 2021 aus dem Inland. Die rund 594.000 Gäste aus Deutschland buchten 1,7 Millionen Übernachtungen (minus 15 bzw. minus elf Prozent gegenüber Juli 2020). Die Zahl der Besucher aus dem Ausland ging um 41 Prozent zurück und deren Übernachtungen reduzierten sich um 43 Prozent.

Zeitraum Januar bis Juli

Die Zahl der Gäste von Januar bis Juli 2021 betrug Rheinland-Pfalz rund 1,7 Millionen. Diese buchten 5,5 Millionen Übernachtungen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der Gäste um 38 Prozent reduziert; die Zahl der Übernachtungen verringerte sich um 29 Prozent.

Die Ergebnisse basieren auf der monatlichen Befragung aller Beherbergungsbetriebe mit zehn und mehr Fremdenbetten sowie den Betreibern von Camping- und Reisemobilplätzen mit zehn und mehr Stellplätzen.

Hinweis: Mit dem Berichtsmonat Januar 2021 werden Privatquartiere und Kleinbetriebe mit weniger als 10 Betten in Städten und Gemeinden mit einem Prädikat als Heilbad, Luftkurort, Erholungsort oder Fremdenverkehrsort nicht mehr befragt. Zu Vergleichszwecken wurden die Vergleichsergebnisse entsprechend umgerechnet.

Durch die Corona-Krise sind die Beherbergungsbetriebe wirtschaftlich außerordentlich beeinträchtigt. Da die Durchsetzbarkeit der Meldepflicht in dieser Situation eingeschränkt ist, liegt der Schätzanteil der fehlenden Statistikmeldungen über dem sonst üblichen Maß. Eine weitere Beeinträchtigung ergibt sich aus den Folgen der Hochwasserkatastrophe im Juli 2020. Deren Einfluss lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Autorin: Petra Wohnus (Referat Unternehmensstatistiken)

Säulendiagramm: Gäste und Übernachtungen von Januar bis Juli 2012 - 2021