Donnerstag, 15. November 2018

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Der Volkstrauertag – Die Geschichte eines Gedenktages

Von Hans-Peter Meyer

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Nicht "befohlene" Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen.

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte. Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund vielerlei Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, dass der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Reiches gemeinsam, nämlich am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern, begangen wurde.

1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch ein Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und benannten ihn "Heldengedenktag". Die Träger waren bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen.

Nach einer Übereinkunft zwischen der Bundesregierung, den Ländern und den großen Glaubensgemeinschaften wurde der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) bzw. den 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) verlegt. Durch Landesgesetze ist der Tag geschützt. Der Volksbund versteht diesen Gedenktag auch mit zunehmendem Abstand vom Krieg als einen Tag der Trauer. Der Volkstrauertag ist aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa Zwei Millionen Kriegstoten auf über 827 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung. Das Leitwort ist:

Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen aus Anlass des Volkstrauertages  wird unter dem Begriff „Totengedenken“ immer wieder die nachfolgende Formulierung  gewählt:

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben,
der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer,
die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

Worte - die  angesichts der zahlreichen kriegerischen Konflikte in der ganzen Welt - an Aktualität nie verlieren.

© Hans-Peter Meyer

V I TA des Autors Hans-Peter Meyer:

Hans-Peter Meyer (68)
geboren in Adenau (Eifel),
nach Abschluss einer Verwaltungslehre
viele Jahre Beschäftigter im Öffentlichen Dienst,
nebenher Autor von Zeitungsbeiträgen
verschiedener Art,  auch nachdenklicher Texte
zu aktuellen Themen. Seit 10 Jahren lebt er in Bad Ems.

Führung zu den jüdischen Häftlingen im Konzentrationslager Osthofen

Schwerpunktführung zu den jüdischen Häftlingen im Konzentrationslager Osthofen am Freitag, 9. November 2018 in der Gedenkstätte KZ Osthofen

Anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht bietet die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz in der Gedenkstätte KZ Osthofen (Ziegelhüttenweg 38) am Freitag, 9. November 2018 um 17.30 Uhr eine neu entwickelte Schwerpunktführung zu den jüdischen Häftlingen im Konzentrationslager Osthofen an.

Bei dieser Führung zur Geschichte des Konzentrationslagers Osthofen stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie viele jüdische Häftlinge gab es im KZ Osthofen und woher kamen sie? Wie wurden sie im KZ Osthofen behandelt? Warum waren sie dort inhaftiert und wie sah ihr weiteres Schicksal aus?
Bei einem gemeinsamen Rundgang über das Gelände der Gedenkstätte wird auf diese Fragen eingegangen und Biographien von jüdischen Häftlingen, wie z.B. Ludwig Ebert aus Osthofen, Isi Krieger aus Worms oder Ernst Katz aus Hungen werden vorgestellt. Mit Fotos und Zitaten ehemaliger Häftlinge wird der ca. einstündige Rundgang illustriert.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit, um 19.00 Uhr an der Gedenkveranstaltung der Stadt Osthofen/des AK 9. November in Osthofen auf dem Platz "An der kleinen Kirche" teilzunehmen.

Eintritt und Führung sind kostenlos, eine Anmeldung ist für Einzelbesucherinnen und -besucher nicht erforderlich. Nähere Informationen erhalten Sie unter 06242-910810.

Zwei Geistliche Konzerte mit FRECHBLECH

GEMÜNDEN / MONTABAUR. Zu einem geistlichen Konzert mit ernster Musik und Lesungen zum Ewigkeitssonntag laden FRECHBLECH als das Soloquintett des Evangelischen Dekanates Westerwald und der Organist Martin Löw aus Goddert gemeinsam am Samstag, 24.11. um 18.00 Uhr in die Evangelische Stiftskirche Gemünden und am Sonntag, 25.11. um 18.30 Uhr in die Evangelische Pauluskirche Montabaur ein.

Auf dem Programm stehen unterschiedliche Kompositionen von Jan Pieterszoon Sweelinck, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Johann Bach, Johann Kuhnau, Léon Boëllmann sowie Joseph Gabriel Rheinberger, die sich mit menschlichem Leiden und Sterben sowie mit der Antwort des Evangeliums darauf auseinandersetzen.

Gegliedert werden diese kontrastreichen polyphonen Motetten durch Choralbearbeitungen und Gemeindegesang an der jeweiligen Denkmalorgel aus der Werkstatt von Johann Wilhelm Schöler und Georg Friedrich Wagner. Die Gesamtleitung hat Dekanatskantor Jens Schawaller inne, der Eintritt ist jeweils frei.

Sankt Martin – Erinnerung an einen großen Heiligen…

Von Hans-Peter Meyer

Trotz feuchter Kälte ziehen in diesen Tagen wieder Kinderscharen mit leuchtenden Laternen und eben solchen Augen singend durch die Straßen. Sicherlich haben sich schon viele gefragt woher diese Tradition der Martinszüge wohl kommen mag. Oder ob, und wenn ja welche, es noch weitere althergebrachte Bräuche an Sankt Martin gibt.

Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

Es war in einer sehr kalten Nacht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Der römische Soldat Martin ritt auf seinem Pferde an einen vor Kälte zitternden Bettler heran. Der arme Mann saß im Schnee und hatte keine warme Kleidung. Der Bettler sah zu Martin auf und flehte um Hilfe. Voll von Mitleid teilte Sankt Martin mit seinem Schwert seinen wärmenden Umhang. Die eine Hälfte überließ Martin dem armen frierenden Mann und rettete ihn damit vor dem Tod. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

In alter Zeit hatte der Martini eine sehr hohe Bedeutung und von den etlichen Traditionen haben einige bis in unsere Zeit hinein überlebt. Am elften November endete im Mittelalter das bäuerliche Arbeitsjahr. So wurden die Ernteerträge verkauft und mit den Erlösen der jährliche Pachtzins gezahlt. Es wurde Saatgut für das nächste Jahr und neues Vieh auf den Märkten erstanden. Auf den Schlachtfesten gab es ein fröhliches Feiern, das wir heute noch in der traditionellen Martinsgans oder den Martinswecken, Stutenkerlen und Martinsbrezel  wiederfinden.

Es begann auch die 40tägige Vorweihnachtliche Fastenzeit, an die der heutige Karnevalsbeginn allerdings nur noch sehr schwach zu erinnern vermag.

Die bei uns sehr beliebten Martinsumzüge mit Laternen, großem Martinsfeuer und hoch zu Ross reitenden Sankt Martin finden jedoch erst seit vergleichsweise geringer Zeit statt. Sie haben ihren Ursprung im späten neunzehnten Jahrhundert und verbreiteten sich vom Rheinland aus. Als Höhepunkt der Umzüge wird die Legende des Sankt Martins nachgestellt.

Das Erlebnis eines lodernden Feuers und die leuchtenden Laternen zu einer langen Kette in der Dunkelheit aufgereiht ist für Kinder immer wieder etwas ganz Besonderes.

©  Hans-Peter Meyer

43. Geistliche Abendmusik

MONTABAUR. „Gegensätze ziehen sich an“, so sagt schon der Volksmund; und in der Tat war diese Weisheit eine konzeptstiftende Grundlage für das äußerst kontrastreiche Konzert mit Susanne Schawaller an der Weigleorgel, Dietmar Wengenroth an der Hoch-B-Trompete und Dekanatskantor Jens Schawaller am Truhenpositiv in der Evangelischen Lutherkirche Montabaur.

Gemeinsam luden die Musikerin und die beiden Musiker zu klanglichen Gegenpolen zwischen Zeit und Klang in die moderne Kirche in der Wäller Kreisstadt ein. Dabei ließ Susanne Schawaller das neobarocke Instrument in der Lutherkirche mit virtuos-solistischen Orgelwerken Max Regers aus op. 59 ganz in hochromantischer Manier erklingen: durch geschicktes Registrieren, lebendige Agogik und eine ausgezeichnet Technik in Manual und Pedal überzeugte sie in der gewichtigen Toccata, der melismierenden Melodia und dem motettisch-imitativen Benedictus.

Max Reger nimmt dabei formalen Bezug auf protestantische Formen der Orgelkunst Dietrich Buxtehudes und Johann Sebastian Bachs und gießt seine Kompositionen in ein hochromantisch-polyphones Klanggewand. Dem gegenüber standen die barocken Werke von Giovanni Bonaventura Viviani, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann, die Dietmar Wengenroth in der ihm zueignen Leichtigkeit, Spielfreude und Präzision zum munteren Leben erweckte. Mit dem überbordenden Obertonreichtum seines Trompetenspiels musizierte der Berufstrompeter Konzerte und Arien, die in sich als differenziert-divergierende Satzfolgen angelegt sind und so abwechslungsreich auf einander Bezug nehmen.

Beide Solisten zelebrierten bestens historisch informiert und professionell in jeder Hinsicht in gegensätzlichen Stilen auf ihrem jeweiligen Instrument und nahmen ihre Gäste durch den Charme ihrer Musik gefangen. Dekanatskantor Jens Schawaller begleitete den Solotrompeter Dietmar Wengenroth als erfahrener Generalbassspezialist am Truhenpositiv, was den beiden Musikern die Möglichkeit zu einem kommunikativen-dialogischen Musizieren eröffnete – ein musikalisches Zwiegespräch in kammermusikalischster Art und Weise.

Auch führte er als Moderator durch den Abend und begleitet alle Anwesenden von Werk zu Werk. Mit einem lang anhaltenden Applaus bedankten und verabschiedeten sich die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer von den drei Musizierenden des Konzertabends.

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