Samstag, 25. September 2021

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Historische Nachbarschaften im Mittelrheintal

Antrag zum immateriellen Kulturerbe wird vorbereitet

Historische Nachbarschaften sind in vielen Orten des Mittelrheintals über mehrere Jahrhunderte als Ausdruck des sozialen Zusammenlebens und Zusammenhalts erhalten geblieben. Mit eigenen Grenzen, Strukturen, Regeln und Feierlichkeiten prägen sie jenseits staatlicher Aufgaben die Gemeinschaft in ihren Orten - bis heute. Mit einer Aufnahme der historischen Nachbarschaften des Mittelrheintals in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO soll diese einzigartige Form des sozialen und kulturellen Miteinanders gewürdigt und gleichzeitig neue Impulse für deren zukünftige Entwicklung gegeben werden.

Das Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. wird die Historischen Nachbarschaften des Mittelrheintals erstmals als Forschungsgegenstand genauer untersuchen und die Nachbarschaften selbst dabei unterstützen, den Antrag zur Aufnahme in die Liste der Immateriellen Kulturerbes der UNESCO zu stellen. "Ich bin froh, dass wir mit dem Mainzer Institut einen so renommierten Kooperationspartner zur weiteren Erforschung der Nachbarschaften gewinnen konnten", freut sich der Bopparder Heimatkundler Jürgen Johann. Johann war es, der das Potenzial der Historischen Nachbarschaften für die Anerkennung zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erkannte und die Idee den Vertretern der Nachbarschaften erstmals bei einem gemeinsamen Termin in Boppard im letzten Jahr präsentierte. Das Interesse bei den Nachbarschaften war groß und so soll in diesem Jahr der Antrag zur Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes vorbereitet werden.

Unterstützung erhalten die Nachbarschaften zwischen Andernach und Bingen vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal. Dazu Verbandsvorsteher Frank Puchtler, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises: "Die historischen Nachbarschaften sind eine einmalige und uralte Form des sozialen Miteinanders. In der aktuellen Lage der Corona-Pandemie kommt die Bedeutung der Nachbarschaften sehr deutlich zum Tragen. Daher begleiten wir gerne die Initiative mit Rat und Tat". Durch die Pandemie konnten letztlich auch die weiteren geplanten Vernetzungstreffen der Nachbarschaften im letzten Jahr nicht stattfinden. Gemeinsam mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Mainz und dem Institutsleiter Dr. Kai-Uwe Sprenger werden aktuell Beteiligungs- und Informationsformate entwickelt, um die zahlreichen Nachbarschaften eng in den Antragsprozess einzubinden. Ein zentraler Baustein wird dabei die gemeinsame Internetseite www.historische-nachbarschaften.de sein, auf der über den aktuellen Stand der Forschung sowie des Antragsverfahrens informiert wird. Außerdem werden in den nächsten Wochen alle Nachbarschaften einen Fragebogen erhalten, um wissenschaftlich mehr über die historischen Nachbarschaften zu erfahren.

Neben dem „klassischen“ Welterbe-Programm ist das immaterielle Kulturerbe ein weiterer Baustein der UNESCO zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt weltweit. Ob Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste oder Handwerkskünste – Immaterielles Kulturerbe ist lebendig und wird von menschlichem Wissen und Können getragen. Es ist Ausdruck von Kreativität, vermittelt Kontinuität und Identität, prägt das gesellschaftliche Zusammenleben und leistet einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Begleitet wird die Antragsstellung der Historischen Nachbarschaften durch Frau Dr. Andrea Stockhammer, die im rheinland-pfälzischen Kultusministerium für die Liste des immateriellen Kulturerbes zuständig ist. Bis November muss das Antragsformular eingereicht sein. Mit einer Entscheidung ist dann im Jahr 2022 zu rechnen.

Fotos: Archiv Jürgen Johann

Den Herbst erleben – die Fülle der Farben erfahren

Gedanken zu einer Jahreszeit

Von Hans-Peter Meyer

Wenn die Tage kürzer, die Bäume kahler werden, dann wissen wir: Es ist Herbst. Wenn es draußen kälter wird, springt im Keller die Heizung an. Niemand wird auf solchen Fortschritt verzichten wollen. Aber wir wissen auch: Den Herbst erleben wir draußen im Freien ganz anders als drinnen beim Fernsehen, und eine Sonnenblume aus Plastik ist nur vorgetäuschte, keine echte Natur.

Wie erleben wir den Herbst? Klagen wir, dass die Schatten länger werden, dass Kälte und Dunkelheit zunehmen? Befällt uns der Schmerz der Vergänglichkeit, dass das Schönste des Lebens vorbei sei und Schmerzen sich einstellen wie ungebetene Gäste? Oder können wir uns freuen über die letzten leuchtenden Blumen, die bunten Sträucher , die köstlichen Früchte, die Ernste des Jahres, über alles, was in unserem Leben nicht nur verging, sondern auch reifte in Fülle?

Für Kinder ist es ein Hochgenus, in Bergen von goldenem Laub herumzutollen. Vielleicht spüren sie dabei unbewusst die verschwenderische Fülle der Natur. Der Schöpfer ist kein Geizkragen. Die Wunder der Evolution sind unerschöpflich. Der Mensch kommt mit dem Zählen, Messen und Erforschen und will möglichst vieles oder alles beherrschen, kommt damit aber an keine Ende.

Daseinsfülle, aber auch Daseinsschmerz: Der Herbst bringt uns beides besonders nahe. „In dieses Waldes leisem Rauschen ist mir, als hör ich Kunde wehen, dass alles Sterben und Vergehen nur heimlichstill vergnügtes Tauschen“ sagt es der romantische Dichter Nikolaus Lenau. Und eine anderer, der Poet Manfred Hausmann, fasst es moderner und radikaler, in die Verse: „Wo kein Sinn mehr misst, waltet erst der Sinn. Wo kein Weg mehr ist, ist des Wegs Beginn“.

Wenn es uns gelingt, auch den Herbst mit seinen bunten Farben als kostbare Zeit zu betrachten und als Teil unseres Lebens anzunehmen, werden wir uns Freude und Zuversicht bewahren.

So hat es der Schöpfer aller Dinge sicher gewollt.

 

© Hans-Peter Meyer

Sommerkonzerte FRECHBLECH

NEUNKIRCHEN / RANSBACH-BAUMBACH. Fröhliche Gäste und sommerlich-flotte Musik in zwei charmanten Wäller Kirchen: wieder einmal konzertierte mit Frechblech das witzig-geistreiche Wäller Soloquintett des Evangelischen Dekanates Westerwald unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller (Helikon) mit Rudi Weide (Trompete), Claudia Liebe (Trompete), Dorit Gille (Waldhorn) und Ben Bereznai (Basstrompete) in der Johanneskirche in Neunkirchen - dort begrüßt und begleitet durch Präses Bernhard Nothdurft - und in der Musikkirche in Ransbach-Baumbach.

Frechblech gehört mit zu den Ensembles der Musikkirche, die Pfarrer Wolfgang Weik und der Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Ransbach-Baumbach – Hilgert als eine neuartige und kreative Basis für die Kirchenmusik ins Leben gerufen haben.

In dem kontrastreichen und vielfältigen Programm der beiden Sommerkonzerte erfreute das kirchliche Ensemble alle Anwesenden mit gekonnt geblasenen und virtuos vorgetragenen Kompositionen der Tanz- und Schlagerkultur: Im Mittelpunkt stand ein stilistisches Crossover zwischen alten Kino-Schlagern der UFA und modernen Liedern von Max Raabe mit Jens Schawaller als Sänger und Moderator.

Die Gäste der beiden sommerlichen Konzerte dankten es Frechblech jeweils mit einem lang anhaltendem Applaus!

Große Unterstützung für das rheinleuchten – Dank an alle Beteiligten

Mittelrhein. Das Lichtkunstfestival rheinleuchten lädt auch in diesem Jahr wieder dazu ein, das Rheintal mit anderen Augen kennenzulernen. Das Rheintal strahlt dank vieler Partner, Förderer und Unterstützer wieder in vielen Facetten. Das bunte Programm sowie Tickets und die aktuellen Corona-Regeln findet man unter www.rhein-leuchten.de.

Diesmalig erstmals als Unterstützer an Bord ist die Sebapharma aus Boppard-Bad Salzig. Bei der feierlichen Scheck-Übergabe dankt Vorsitzender Landrat Frank Puchtler dem Geschäftsführer Dr. Daniel Rothoeft, Vertriebsleiter Thomas Breidbach und der stellvertretende Marketingleiterin Martina Leners für das großzügige Sponsoring und die Sachspende in Form von seifenfreier Handreinigung. „In pandemischen Zeiten ist Hygiene das A und O für ein möglichst sorgenfreies Miteinander, ob Zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz oder bei Freizeitaktivitäten. Wir müssen aufeinander Acht geben, und Handhygiene ist hier ein denkbar einfaches aber effektives Mittel. Die Unterstützung eines in diesem Bereich so kompetenten Partners, der Sebapharma GmbH & Co. KG, freut uns außerordentlich“, so Landrat Frank Puchtler, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Landrat Dr. Marlon Bröhr und der Geschäftsführerin des Zweckverbandes Nadya König-Lehrmann das Sponsoring entgegennahm.

„Mit den seifenfreien Produkten der Marke sebamed legen wir großen Wert auf eine schonende Hautreinigung. Daher freut es uns als Sebapharma ganz besonders, nun auch Teil des Lichtkunstfestivals zu sein, die kulturelle Aufwertung der Region Oberes Mittelrheintal zu unterstützen und so mit unseren Produkten ein möglichst sicheres Erlebnis im UNESCO Welterbe zu ermöglichen“, betont Dr. Daniel Rothoeft, Geschäftsführer der Sebapharma GmbH und Co. KG.

„Besonders froh sind wir, dass auch in diesem Jahr so viele unserer Mitgliedskommunen und privaten Partner eigene lokale Projekte und Aktionen organisiert haben – zum Beispiel ist die Heimatgemeinde der Sebapharma, Boppard, mit einem bunten Strauß unterschiedlichster Aktionen wie einem Abendpicknick unter illuminierten Bäumen in den Rheinanlagen, Lange Nacht des Museums mit leuchtenden walking acts, Illuminationen und Aktionen in der Hirzenacher Propstei und vielem mehr mit an Bord des rheinleuchtens“, weiß Landrat Dr. Marlon Bröhr zu ergänzen.

„Wir sind sehr glücklich, dass auch in diesem Jahr wieder viele Förderer für unsere gemeinsame Idee gefunden werden konnten. Ohne sie wäre die Durchführung und Organisation einer solchen hochwertigen Veranstaltung nicht möglich“, so Puchtler weiter.

Hauptspielort des Lichtkunstspektakels in der Löhnberger Mühle in Lahnstein, wo eine multimediale Zeitmaschine die Besucher in Traumwelten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entführt – auf einem besonderen Gelände am Rhein, das nur für dieses Event Besuchern seine Tore öffnet „Ein großer Dank geht an den neuen Eigentümer der Löhnberger Mühle CG Elementum, die die Fläche dem Zweckverband kostenfrei zur Verfügung stellen“.

Einen weiteren großen Dank senden die Vertreter des Zweckverbandes an die langjährigen Unterstützer im Auf- und Ausbau des Lichtkunstevents rheinleuchten, den Kultursommer Rheinland-Pfalz, Lotto Rheinland-Pfalz als Förderer der Kultur, dem Energieversorger SÜWAG, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rhein-Lahn, der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg sowie der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück.

Neue Ausstellung eröffnet: Roentgen-Museum zeigt „Verwandlungsmöbel“

Elmar Hermann, Ani Schulze und Christoph Westermeier haben gemeinsam an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und stellen in Neuwied aus

„Verwandlungsmöbel“. Mit Elmar Hermann, Ani Schulze und Christoph Westermeier präsentieren drei zeitgenössische Künstler, die ihr „Handwerk“ gemeinsam an der Akademie in Düsseldorf gelernt haben, Exponate, die einen direkten Bezug zum berühmten Namensgeber unseres Kreis-Museums haben. Die Künstler treten mit der Sammlung des Hauses in den Dialog und setzen sich mit dem gestalterischen Impuls Roentgens auseinander. Sie haben sonst verschlossene und verdeckte Vitrinen geöffnet und Schätze aus dem Depot geholt, zum Beispiel einen schweren gusseisernen Kerzenleuchter aus der Sayner Hütte mit abgebrannten Kerzen. Auch „der Engerser“, das männliche Skelett aus einem Grab der Bronzezeit, darf sich einmal unverhüllt zeigen als Symbol der Vergänglichkeit von Zeit. „Wir wollen neue Perspektiven auf das Museum und auf seine Sammlungen zeigen, Räume öffnen und Vertrautes so aufbereiten, dass es zur Wieder-Entdeckung verlockt“, skizziert Künstler Elmar Hermann.

Die umfangreichen Archive zu Roentgens Schaffen in Neuwied werden künstlerisch untersucht und zeitgenössischen Kunstwerken gegenübergestellt. Zeitebenen vermischen sich, Antike und Gegenwart schaffen eine sich stetig transformierende Archäologie der Gegenwart.

Landrat Achim Hallerbach freute sich bei der Eröffnung nicht nur über die tolle Ausstellung an sich, sondern dass er, wie er es sagte, „endlich mal wieder einer seiner schönsten Pflichten als Landrat nachgehen“ und eine Ausstellung nicht nur virtuell, sondern zusammen mit Kunstliebhabern vor Ort eröffnen konnte.

Zur neuen Ausstellung wird es nach langer Durststrecke auch wieder begleitende Veranstaltungen geben. Mehr dazu auf der Homepage des Museums: https://www.kreis-neuwied.de/kv_neuwied/Roentgen/

Die Ausstellung ist bis zum 10. Oktober zu sehen.

Elmar Hermann (*1978) studierte Bildende Kunst und Linguistik in Mainz und Düsseldorf. Seit 2007 hatte Elmar Hermann zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Stipendien im In- und Ausland u.a. im D21 Leipzig, Goethe Institut St Petersburg, WIELS Brüssel, Arp Museum Rolandseck, KIT Düsseldorf, Goethe Institut Mumbai, ISCP New York. Lehraufträge und Gastprofessuren u.a. an Kunsthochschulen und Universitäten in Mainz, Düsseldorf, Leipzig und Koblenz.

Ani Schulze (*1982) studierte an den Kunstakademien in Karlsruhe und Düsseldorf, in Glasgow und an der Städelschule in Frankfurt. Ihre Arbeiten waren bereits in einer Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen und Screenings zu sehen, u.a. im Salzburger Kunstverein, Kölnischen Kunstverein, I: Project Space in Beijing, Kunsthalle Schirn Frankfurt, Extra City Kunsthalle Antwerpen. Sie erhielt Stipendien vom Goethe Institut China, Cité Internationale des Arts in Paris und der Innogy Stiftung. Ani Schulze lebt und arbeitet momentan in Braunschweig wegen eines Garduiertenstipendiums an der HBK Braunschweig.

Christoph Westermeier (*1984) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und bei „de Ateliers“ in Amsterdam. Er arbeitet mit Fotografie und Installationen. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, u.a. dem Museum für Gegenwartskunst Siegen, dem Kunstverein Düsseldorf und der Coalmine Winterthur. Er wurde mit u.a. mit dem Peter Mertes Stipendium des Bonner Kunstvereins ausgezeichnet. Westermeier lebt und arbeitet in Düsseldorf.

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