Samstag, 23. Oktober 2021

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Kultursommer

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Kulturministerin Katharina Binz eröffnen Kultursommer – Neustart der Kulturszene tatkräftig unterstützen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat gemeinsam mit Kulturministerin Katharina Binz in Zweibrücken den 30. Kultursommer Rheinland-Pfalz offiziell eröffnet. „Wir alle haben das Kulturerlebnis schmerzlich vermisst und freuen uns umso mehr, dass die Fortschritte in der Pandemiebekämpfung einen vorsichtigen Start in den Kultursommer möglich machen. In den vergangenen Monaten hat die Kulturszene sehr gelitten und es wird Zeit, dass sie sich erholen und endlich wieder stattfinden kann“, sagte die Ministerpräsidentin bei der Eröffnung.

Es fehlten nicht nur das Miteinander und der Applaus, sondern Auftritte, Engagement und Einnahmen. Die Pandemie habe sehr deutlich den unschätzbaren Wert der Kultur deutlich gemacht. „Wir wollen auch weiterhin eine kraftvolle und kreative Kulturlandschaft in unserem Land, die nicht nur unterhält, sondern uns beflügelt, uns träumen lässt, die Widerspruch provoziert und uns anspornt, unser Leben besser zu machen“, sagte die Ministerpräsidentin. Auch als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur sei sie sehr stolz auf den Kultursommer, der in den vergangenen 30 Jahren überall im Land kulturelle Vielfalt von hoher Qualität möglich gemacht habe. Sie dankte allen Beteiligten und insbesondere der anwesenden früheren Kulturministerin Rose Götte, die den Kultursommer aus der Taufe gehoben und in den Anfangsjahren in Schwung gebracht habe.

Das Motto des Kultursommers „Nordlichter“ galt bereits für das ausgefallene Jahr 2020 und wurde in diesem Jahr erneut gewählt. „Das Motto bietet die Chance, die Kunst- und Kulturszene nordeuropäischer Länder zu erkunden und neben großen Namen und Klassikern auch (noch) weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler zu entdecken“, sagte Kulturministerin Katharina Binz.

„Auch wenn wir diese Eröffnung in diesem Jahr Kulturinteressierte nicht so groß feiern können, wie wir es gewohnt waren, bin ich froh, dass auch viele per Live-Stream dabei sein können“, so Kulturministerin Katharina Binz, die den Blick nach vorne richtet. „Als neue Kulturministerin will ich mit meinem Haus die Kulturszene bestmöglich unterstützen und dort helfen, wo die Folgen der Pandemie am schmerzhaftesten spürbar sind, um sie aus der Krise herauszubekommen. Gemeinsam möchte ich diese für unsere Gesellschaft so wichtige Kulturszene widerstandsfähiger gegen Krisen machen. Damit sie uns alle auch in Zukunft weiterhin in Kopf und Herz berühren kann“, so Binz.

Zur Eröffnungsveranstaltung des Kultursommers 2021 waren 100 Gäste aus Kultur und Politik in der Festhalle Zweibrücken, außerdem gab es einen Livestream, der für zwei Wochen unter https://youtu.be/vG96zadN0Lo abrufbar ist. Darüber hinaus konnten bereits bei der Generalprobe am Samstag 100 Gäste dabei sein.

In den nächsten Monaten gibt es zahlreiche Veranstaltungen rund um den Kultursommer und das Thema „Nordlichter“. Welche genau und vor allem wo diese stattfinden, ist unter www.kultursommer.de zu finden.

Online-Verleihung des Gerty-Spies-Preises an Milo Rau jetzt im Internet als Video

Aufzeichnung der Online-Verleihung des Gerty-Spies-Literaturpreises 2020 an Milo Rau jetzt als Video zu sehen

Die Verleihung des Gerty-Spies-Literaturpreises 2020 der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz an den Regisseur und Autor Milo Rau musste bedingt durch die Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben werden und fand jetzt am 30. Mai 2021 als Online-Preisverleihung statt.
Die Online-Preisverleihung ist jetzt als Video veröffentlicht und kann sowohl auf der Webseite der Landeszentrale für politische Bildung als auch auf den Online-Kanälen der LpB bei vimeo und YouTube gesehen werden. Die Links finden Sie auf der Homepage der LpB www.politische-bildung-rlp.de.

Die Jury zeichnete Milo Rau dafür aus, dass er wie kein anderer Kunst, Literatur und Politik verbinde.

Milo Rau nahm bei der Verleihung Bezug auf das Gedicht von Gerty Spies "Des Unschuldigen Schuld": "Ich versuche Kontexte herzustellen, in denen des Unschuldigen Schuld nicht mehr unsichtbar bleibt oder als mögliche Mitschuld sichtbar wird. Wo ein Danebenstehen, wie das Gerty Spies beschreibt, nicht mehr möglich ist."

Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale, unterstrich die Verbindung von Politik und Kunst, die den Preisträger auszeichnet: "Milo Rau verbindet auf vielfältige und beeindruckende Weise Politik und Realität mit Theater, Literatur und Kunst. Man könnte sagen, für ihn ist Kunst eine pazifistische Waffe im Kampf für mehr Menschlichkeit. Dabei bleibt sie Kunst, keine Agitation. Wo andere wegschauen, schaut er genauer hin. Dass Milo Rau kontroverse Themen mit den Mitteln der Kunst thematisiert, trifft sich mit dem Ziel der politischen Bildung, auch kontroverse Themen - neben historisch-politischer Bildung - aufzugreifen. Politische Bildung muss in Zukunft weiter neue Wege gehen, um neue und weitere Zielgruppen zu erreichen, und dies kann auch mit den Mitteln des Theaters geschehen. Das Theater ist der politischen Bildung und der Politik hier oft schon voraus".

Der Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung ist nach der Schriftstellerin Gerty Spies benannt, die 1897 in Trier geboren wurde und in der NS-Diktatur als Jüdin in das KZ deportiert wurde. Die Auseinandersetzung mit dem KZ Theresienstadt bildete einen Schwerpunkt ihrer schriftstellerischen Arbeit. Gerty Spies starb am 10. Oktober 1997 im Alter von 100 Jahren in München.
Die letzten Preisträger waren u.a. Ralf Rothman, Ulrich Pelzer, Ursula Krechel und Navid Kermani.

Netzwerktreffen zur Stärkung der Nachtkultur

Kulturdezernentin untermauert Bereitschaft der Stadt zum Dialog

Koblenz. Am 27. Mai hat Mike Spriestersbach in seiner Funktion als Nachtkulturbeauftragter zu einem Netzwerktreffen eingeladen. Bei dem Treffen in Form einer Videokonferenz war auch die Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz, PD Dr. Margit Theis-Scholz mit dabei. Das Gespräch im zeitlichen Umfeld der Wiederaufnahme des Kulturbetriebs diente dem Meinungsaustausch über mittel- und langfristige Perspektiven zur Stärkung der Nachtkultur in Koblenz, ganz konkret aber auch als Signal an die anwesenden Vertreter der Szene, sich gemeinsam Gedanken über Beteiligungsmöglichkeiten am Kulturprogramm der kommenden Wochen und Monate zu machen - gerade auch für den Fall, dass die eigenen Einrichtungen noch für Konzerte und Clubbetrieb geschlossen bleiben müssen. Von Seiten der Nachtkultur waren die Betreiber des Mephistos, des Zenits, des SK2, des Kurioos, der Kaffeewirtschaft und der Gecko Lounge anwesend. Der Kreis soll laut Spriestersbach weiter ausgebaut werden.

„Alle sind aufgefordert weitere Teilnehmer zu finden um gemeinsam etwas zu kreieren", appellierte Spriestersbach, der in der Vergangenheit bereits selbst als Kulturveranstalter aufgetreten war, an die Runde. Staatliche Förderprogramme böten in diesem Jahr die Möglichkeit, trotz bestehender Einschränkungen mit geringem wirtschaftlichen Risiko Veranstaltungen zu planen und durchzuführen, aber auch die Aufmerksamkeit für die Szene zu erhöhen. Theis-Scholz ergänzte: „Wir wollen den Dialog. Unser Anliegen ist es heute, Ihnen zu vermitteln, dass wir sie als Kulturveranstalter verstehen." In der anschließenden Gesprächsrunde ging es um die Einbeziehung regionaler Kulturschaffender bei zukünftigen Großveranstaltungen, niveauvolle Kulturprogramme und ein anspruchsvolles Kulturangebot für Jugendliche, um den negativen Begleiterscheinungen der Nachtökonomie gemeinsam etwas entgegenzusetzen. Dass das Regelwerk der Stadt den Veranstaltern Grenzen setzt, wurde genauso thematisiert wie die möglichen Auswirkungen der bundespolitischen Initiative, Clubs als Kulturstätten anzuerkennen.

Theis-Scholz bedankte sich für den Input und nahm die Anregungen gerne mit. Mit den Worten "nichts ist in Stein gemeißelt“ drückte Spriestersbach seine Hoffnung aus, den aufgenommenen Dialog dafür zu nutzen, manche Entwicklungen im Zuge der Pandemie neu zu bewerten. „Die Stadt hat in den vergangenen Monaten schon Entgegenkommen gezeigt.“ In den kommenden Wochen soll es nun konkret um die Möglichkeit der Einbindung ins städtische Kulturprogramm, die Einbindung der Nachtkultur im Kulturhaus Koblenz+ und in die für den Sommer geplante Kulturnutzerstudie gehen.

„Sonderfonds des Bundes bringt uns das kulturelle Leben zurück!“

Erwin Rüddel: Kulturveranstaltungen werden abgesichert und wieder möglich

Berlin / Region. „Aufatmen bei den Organisatoren und Verantwortlichen von Kulturveranstaltungen auch im Kreis Neuwied, nachdem der Bundestag aktuell den 2,5 Milliarden Euro schweren Sonderfonds für Corona-Finanzhilfen für die Kulturbranche beschlossen hat. Damit werden zukünftig pandemiebedingte Ausfallrisiken von Konzerten, Festivals und anderen Kulturveranstaltungen durch die Erstattung von Vorbereitungs- und Ausfallkosten abgefedert“, erklärt aktuell der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel.

Der Parlamentarier erinnert daran, dass die Kultur durch düstere Monate gegangen ist. Deshalb seien viele Hilfsprogramme aufgelegt worden. Besonders hart getroffen waren und sind gerade die Kulturveranstalter: „Für die gibt es jetzt einen Sonderfonds des Bundes. Neben der erwähnten Abfederung, werden durch eine Wirtschaftlichkeitshilfe die Einnahmeverluste bei Corona bedingten Einschränkungen kompensiert.“

Mit 2,5 Milliarden Euro umfasst der Fonds mehr als das Doppelte des Etats von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Aufgrund dieses beachtlichen Hilfsangebotes des Bundes sowie der sinkenden Corona-Ansteckungsraten ist Rüddel zuversichtlich, dass das kulturelle Angebot kurzfristig wieder ebenso reich wie vielfältig sein wird, „wie wir es vor dem Beginn der Pandemie gewohnt waren. Denn Live-Veranstaltungen bieten Kultur, Begegnung, Unterhaltung, Zerstreuung und insbesondere geistige Anregung. All dies wird nun wieder möglich, indem wir Veranstalter in die Lage versetzen, Veranstaltungsrisiken wieder zu tragen“.

Dafür, so der Abgeordnete, stünden nun alle Ampeln auf Grün: „Mit diesem Kulturveranstaltungsfonds erobern sich die Künstler und das Publikum die Bühnen zurück. Der Bund engagiert sich damit in nie dagewesener Höhe in der Kulturförderung.“

Der Fonds besteht aus zwei Säulen: Die Wirtschaftlichkeitshilfe soll kleinere Veranstaltungen bis 2.000 Besucher befördern, die aufgrund der Corona-Hygieneregeln nicht vor ‚vollem Haus‘ stattfinden können. Dazu werden die Ticketeinnahmen bis zu 100 Prozent bezuschusst. Als zweite Säule soll eine Ausfallabsicherung vor allem für größere Veranstaltungen das Risiko einer Coronas-bedingten Absage oder Verschiebung absichern. Bis zu 80 Prozent der Ausfallkosten übernimmt der Bund.

„Gemeinsam mit dem Programm ‚Neustart Kultur‘ der Kulturstaatsministerin sowie der Überbrückungshilfe III des Bundeswirtschaftsministers vervollständigt der Sonderfonds für Kulturveranstaltungen den Instrumentenkasten des Bundes für Kultur. Ich bin sicher: Der Veranstaltungsfonds wird auch im Kreis Neuwied zum Startschuss für einen schönen und glücklichen Kultursommer werden“, bekräftigt Erwin Rüddel.

Schule im Corona-Modus

„Bei den Aufgaben komme ich nur langsam voran, das stresst mich richtig“, schreibt Tyler. Alya hat große Angst, „dass meine Tante, die Krebs hat, das Corona-Virus bekommt und stirbt.“ Und Lisa wird poetisch: „Schule in Zeiten von Corona ist wie ein Schlachthof, nur dass Träume statt Tieren geschlachtet werden.“

Die Sorge um sich, die Sorge um andere: Das Buch „Schule im Corona-Modus“ versammelt mehr als 400 Texte und Bilder aus 44 hessischen Schulen, in denen Jungen und Mädchen ihre Eindrücke und Erlebnisse in der Corona-Pandemie zu Papier gebracht haben.

Die Freude über zusätzliche schulfreie Tage im Lockdown währte nur kurz. Schnell ist auch der Humor verflogen, mit dem die Schüler noch die Hamsterkäufe von Nudeln oder Toilettenpapier kommentierten. Mit jedem Tag der Ausnahmesituation vermissen sie die Struktur, die Schule und Unterricht ihrem Leben geben, mehr. Vor allem aber fehlt ihnen der persönliche Austausch mit ihren Klassenkameraden vor Ort. Sie erleben schmerzlich, dass Online-Kommunikation diesen nicht ersetzen kann. Langeweile kommt auf, dann Verunsicherung, Ängste vor dem Alleinsein, vor Vereinsamung, vor einer ungewissen Zukunft. Und Wut: Wut auf das Corona-Virus, diesen unsichtbaren Feind.

In ihrer Vielfalt – die Beiträge stammen aus allen Altersklassen und Schulformen – bilden die Arbeiten einen breiten Querschnitt der hessischen Schullandschaft ab. Um ein „ungeschöntes Stimmungsbild“ widerzugeben, hat die „Aktion Hessen hilft“ als Herausgeber auf eine redaktionelle Überarbeitung verzichtet.

„Schule im Corona-Modus“ eröffnet so einen authentischen Einblick in die Gefühlswelten junger Menschen in einer nun schon mehr als einem Jahr währenden Extremsituation. Es ist auch eine Dokumentation der Kreativität, die Kinder und Jugendliche entwickeln, um ihren Sorgen und Nöten Ausdruck zu verleihen: sei es mit einem Comic, in einem Tagebuch, einem Filmskript, einem Gedicht oder einem Gebet.

„Schule im Corona-Modus – Eindrücke und Erlebnisse von Schülerinnen und Schülern“, herausgegeben von der Aktion Hessen hilft e.V./Tobias Greilich, 464 Seiten. Das Buch mit einem Grußwort des hessischen Kultusministers Professor Dr. R. Alexander Lorz ist zum Preis von 14,80 Euro im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-942347-34-1. Für den Druck eines weiteren Buches bittet der gemeinnützige Verein um Spenden auf das Konto DE81 5185 0079 0121 0076 65. Der Verein ist erreichbar unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Interviewfragen:

Tiefe Einblicke in die Sorgen von Schülern in der Pandemie

Herausgeber Tobias Greilich zur Publikation „Schule im Corona-Modus“ der „Aktion Hessen hilft“

Seit 1995 leistet die „Aktion Hessen hilft“ weltweit humanitäre Hilfe für Menschen in Not. Jetzt gibt sie das Buch „Schule im Corona-Modus – Eindrücke und Erlebnisse von Schülerinnen und Schülern“ heraus. Herr Greilich, Sie sind seit der Gründung Vorsitzender des Vereins, wie entstand die Idee zu dem Buch? Wie fügt sich dieses in das Anliegen des Vereins ein?

Die Aktion Hessen hilft ist zu meiner eigenen Schulzeit als Initiative von Schülern und Jugendlichen entstanden, weil uns das Kriegsleid im ehemaligen Jugoslawien erschüttert hatte und wir versuchen wollten zu helfen. Bis heute tragen mehrere Hundert hessische Schulen die „Hessische Schulaktion für Menschen in Not“ mit. Seit ich eigene Kinder habe, wurde es mit deren zunehmendem Alter immer wichtiger für mich, durch gemeinsame Projekte mit den Schulen auch den sozialen Horizont der beteiligten Schüler zu erweitern und sie die Welt noch ein Stückchen mehr begreifen zu lassen. In Corona-Zeiten sind Schüler selber „Menschen in Not“ – so entstand der Gedanke, sie mit ihren Sorgen und Nöten einmal selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Band versammelt Beiträge von Jungen und Mädchen vom Grundschulalter bis zum Abitur aus mehr als 40 Schulen. Wie ist diese große Bandbreite zustande gekommen?

Tatsächlich haben sich Schüler aller Altersklassen und Schulformen aus allen Teilen Hessens mit Beiträgen beteiligt. Teilweise arbeiten wir mit den Schulen schon seit vielen Jahren zusammen, teilweise haben sich neue Partner von der Buchidee angesprochen gefühlt und ihre Schüler zur Teilnahme animiert. Das Besondere ist, dass Beiträge von Grundschülern neben denen von Berufsschülern stehen, von Gymnasiasten neben denen von Förderschülern. Jeder drückt sich auf andere Weise aus, aber in Summe zeigen sie ein unmittelbares Stimmungsbild der hessischen Schülerschaft.

Sie haben sich bewusst gegen eine Bewertung oder Klassifizierung der Beiträge entschieden und auch keine redaktionelle Überarbeitung vorgenommen. Warum?

Uns ist bewusst, dass sich die Beiträge qualitativ unterscheiden, aber uns ging es auch nicht um einen künstlerischen oder literarischen Wettbewerb, sondern wir wollten Kinder und Jugendliche zu Wort kommen lassen – mit ihren Eindrücken und Erlebnissen, ehrlich und ungeschönt, in selbstgewählten künstlerischen Formen, ohne hinderliche Formvorschriften. Wir empfinden gerade diese Vielfalt als Ausdruck von Authentizität – das zeigt sich auch am Ergebnis.

Welche Gefühle haben Sie persönlich während der Arbeit an dem Buch beschäftigt?

Ich war vielfach betroffen. Durch meine eigenen Kinder, durch ihre Freundeskreise, durch zwei Schulen, deren Schulelternbeirat ich vorstehe, war ich ohnehin schon nah dran. Aber in dieser geballten Weise zu sehen und zu lesen, wie sehr die Corona-Krise auf den Schülern lastet, damit hatte ich nicht gerechnet. Dadurch wurde aus der reinen Idee für mich ein Herzensprojekt; die Schülerbeiträge sind sehr persönlich und bewegend und ich finde es absolut wert, sie zu veröffentlichen und dadurch zu bewahren.

Sie haben neben zwei erwachsenen Töchtern einen neunjährigen Sohn. Haben Sie mit ihm über das Buch gesprochen?

Natürlich war das Buch bei uns zu Hause immer wieder Thema. Unser Sohn erlebt den „Corona-Modus“ aus der Sicht eines Grundschülers, unsere mittlere Tochter macht unter diesen Bedingungen ihr Abitur. Selbst für unsere große Tochter als Studentin ist nichts mehr, wie es zu Studienbeginn war, und auch wir Eltern sind ja Teil von „Schule im Corona-Modus“. Meine Frau und unsere Kinder haben das Buch begleitet und unterstützt, Ideen eingebracht und unser Sohn hat gleich mehrere Beiträge gestaltet. Auch ihm hat es gut getan, seine Gefühle auf diese Weise ausdrücken zu können.

Und wo würden Sie sich wünschen, dass über „Schule im Corona-Modus“ gesprochen wird?

An den Schulen kennt jeder die Auswirkungen der Pandemie und ihrer Einschränkungen. Ich würde mir aber wünschen, dass die Politik noch etwas mehr von den Folgen ihrer Beschlüsse mitbekommen würde. Wer in diesem Schuljahr in die Grundschule eingeschult wurde, kennt im Prinzip keine Schule ohne Maske, kein Toben auf dem Pausenhof, keine tröstende Umarmung einer Lehrkraft, ja nicht einmal täglichen Unterricht in der Schule. Was das mittel- und langfristig mit unseren Kindern macht, ist noch gar nicht abzusehen. Wer das nachfühlen will, bekommt durch die Schülerbeiträge tiefe Einblicke.

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