Sonntag, 17. Januar 2021

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Gedenken 8. Mai 1945

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landtagspräsident Hendrik Hering erinnern an das Kriegsende vor 75 Jahren

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landtagspräsident Hendrik Hering erinnern am kommenden Freitag, 8. Mai, gemeinsam an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. In einer Videobotschaft rufen sie dazu auf, verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umzugehen und gegen Hass und Hetze einzutreten. Der 8. Mai 1945 sei ein Tag der Befreiung, der eine friedliche Entwicklung in Deutschland und Europa möglich gemacht habe. Er dürfe niemals aus der kollektiven Erinnerung verschwinden. Drehort der Videobotschaft war die Kirchenruine Sankt Christoph in Mainz, die als Mahnmal an die Opfer und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erinnert. Eine ursprünglich geplante gemeinsame Gedenkveranstaltung von Landtag und Staatskanzlei wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Die Aufzeichnung wird ab Freitag, 8. Mai, 8.00 Uhr über die Internetseiten, die YouTube-Kanäle und die Social Media-Auftritte von Landtag und Staatskanzlei abrufbar sein. Um 11.30 Uhr werden die Ministerpräsidentin und der Landtagspräsident gemeinsam mit dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling und dem rheinland-pfälzischen Vorsitzenden des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) Martin Haller in Sankt Christoph im stillen Gedenken einen Kranz niederlegen.

„Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror, vom Elend des Krieges und von Gewaltherrschaft. Er erinnert uns an das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Im Gedenken an diesen Tag werde zugleich deutlich, wie wichtig es sei, für den Frieden und die Freundschaft der Völker einzustehen. „In diesem Jahr gedenken die Menschen anders als gewohnt, die Corona-Pandemie greift tief in unser aller Leben ein. Wie schwer es fällt, sich nicht mehr frei zu bewegen, lässt uns besonders spüren, wie kostbar Freiheit und Sicherheit sind. Daher muss klar sein, diese Einschränkungen können nur temporär sein, um Leben zu schützen“, sagte die Ministerpräsidentin. Zugleich sieht sie es als zentrale Aufgabe an, gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung vorzugehen. Auch dies sei eine Verpflichtung, die wir aus dem 8. Mai 1945 ziehen müssten.

Landtagspräsident Hendrik Hering erinnerte daran, dass Deutschland unmittelbar nach Kriegsende wieder in die große Völkerfamilie Europas aufgenommen wurde, obwohl das Land unermessliches Leid über Europa und die Welt gebracht habe. „Dieses Vertrauen und die Bereitschaft zur Versöhnung bleiben angesichts der Katastrophe, die vorausgegangen war, einzigartig“, betonte der Landtagspräsident. Die europäischen Nachbarn hätten darauf vertraut, dass Deutschland einen demokratischen, stabilen und sozialen Rechtsstaat aufbauen würde. „Und so ist es gekommen“, sagte Hendrik Hering. Die europäische Einigung habe Rheinland-Pfalz in der Folge zu einem Land im Herzen Europas gemacht, das mit seinen Nachbarn in vielfältiger Weise verflochten sei. Umso schmerzhafter spüre man in diesen Tagen der Corona-Pandemie die Einschnitte, die krisenbedingte Grenzschließungen und Einschränkungen der Reisefreiheit notwendig machten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landtagspräsident Hendrik Hering zeigten sich überzeugt, dass Europa der Schlüssel dafür sein werde, die Pandemie und ihre Folgen zu bewältigen. Gerade jetzt seien Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt in Europa erneut von herausragender Bedeutung. Ein Zeichen dieser Freundschaft sei gewesen, dass rheinland-pfälzische Krankenhäuser schwerkranke Covid19-Patienten aus Frankreich aufgenommen haben, wie beispielsweise in Kandel, Kaiserslautern und Speyer.

Anlässlich des 75. Jahrestages hat Ministerpräsident Malu Dreyer für den 8. Mai für die Dienstgebäude der staatlichen und kommunalen Verwaltungen des Landes Rheinland-Pfalz sowie für die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts Beflaggung angeordnet.

Zum Muttertag

Eine nachdenkliche Betrachtung

Von Hans-Peter Meyer

Irgendwo habe ich dieser Tage den nachdenklichen Spruch gelesen: „Meine schönste Erfindung, sagt Gott, ist die Mutter.

Am kommenden Sonntag haben wir ihn wieder, den alljährlich im Wonnemonat Mai wiederkehrenden Muttertag. Viele von uns beeilen sich, entsprechend alter Tradition und Gepflogenheit einen Glückwunsch auszusprechen, ein paar Blumen, einem Geschenk zu überreichen.

Aber, so denke ich, Muttertag hat eine mehr als nur kalendernotwendige Bedeutung. Nicht wenige unter uns halten den Muttertag inzwischen für ein kommerzielles Geschäft, was zum Teil sicherlich zutrifft, wenn man einmal an die Annoncen verschiedener Geschäftszweige denkt und diese aufmerksam betrachtet. Muttertag ist mehr. Darüber sollten wir einmal nachdenken. Anerkennung für jene Frauen, die alle Tage, jahraus, jahrein, ihren Kindern und Männern gehören. Deren Arbeit niemals ein Ende hat, die keine Vierzigstundenwoche kennen, kein freies Wochenende. Die immer da sind, ohne Lohnerhöhung, ohne Urlaubsansprüche.

Den Müttern einen Tag zu widmen, war die Idee einer Frau, der 1864 geborenen Amerikanerin Ann Jarvis. Sie verstand sich als Frauenrechtlerin, nahm den Tod ihrer Mutter zum Anlass, den Kreuzzug für den Muttertag zu beginnen. Ann Jarvis starb 1948 weitgehend verarmt in einem Altenheim. Selbst war sie nie Mutter geworden. „Ihr“ Ehrentag“ blieb, 1922 kam er nach Deutschland, zehn Jahre später  wurde er hier als Feiertag auf den zweiten Mai-Sonntag gelegt.

Muttertag ist für uns mehr: Die Mutter hat uns das höchste Gut dieser Welt geschenkt – das Leben. Für die meisten von uns war die Mutter  die wichtigste Bezugsperson in den ersten wichtigsten (Entwicklungs-) Jahren unseres Lebens, sie hat uns begleitet in Freud und Leid, hat am Bett gesessen, wenn wir krank waren, hat uns liebevoll gepflegt, und in späteren Jahren haben wir immer wieder gespürt, dass es die Mutter ist, die an unserem Leben, an unseren Sorgen und Nöten teilnimmt, einspringt, wenn niemand mehr da ist. Das Gefühl des „Angenommensein“, die Geborgenheit, die „offenen Arme“ einer liebenden Mutter ist mehr Wert als alle Reichtümer dieser Welt.

Mutterliebe kann man nicht kaufen – sie kommt aus dem Herzen und gibt es nur umsonst.

Wenn das Licht der Hoffnung in uns so manches mal erloschen scheint, sind es nicht nur Worte, die das Herz einer Mutter ausmachen. Da ist ein Gefühl ohne Worte, das sich nur sehr schwer oder gar nicht beschreiben lässt. Vieles nehmen wir als selbstverständlich an, ohne uns tiefere Gedanken zu machen. Ein „Danke“ zu Lebzeiten ist besser als alle Blumen dieser Welt auf den Gräbern unserer Mütter. Eigentlich soll es das ganze Jahr über Muttertage geben. Wieso können wir der Mutter nicht an vielen Tagen des Jahres  das Gefühl geben, dass sie eine ganz besondere Person ist. Wir haben – so denke ich – an jedem neuen Tag des Jahres die große Chance, nicht mit Gold und Edelstein, sondern mit einem kleinen Geschenk, mit ein paar Blumen, mit einer Anerkennung, einer liebenvollen Geste die Mutter zu überraschen. Der unvergessene  Camillo Felgen hat in einem seiner Lieder einmal gesungen: „Ich hab’ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren“. Er hat die Mutter im hohen Alter gemeint. Diese Ehrfurcht sollten wir nicht nur am (Kalender-) Muttertag haben oder erst dann, wenn die Mutter für immer von uns gegangen ist.

Der Muttertag hat viele Komponenten. Er sollte anregen zum Nachdenken und zur Dankbarkeit…

© Hans-Peter Meyer

 

Landesregierung unterstützt mit 15,5 Millionen Kultur

Dreyer/Wolf: „Wir brauchen eine aktive Kultur auch und gerade in der Krise“

„Kultur ist nicht alles. Aber alles ist nichts ohne Kultur. Deswegen wollen wir die Kultur stärken und für die Krisenzeit Möglichkeiten schaffen, Kultur stattfinden zu lassen“, erklärten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Kulturminister Konrad Wolf heute in einer Pressekonferenz in Mainz. Mit einem 15,5 Millionen Euro umfassenden 6-Punkte-Programm wird die Landesregierung die Kulturlandschaft in Rheinland-Pfalz unterstützen. Das Programm soll neue Impulse für Kulturaktivitäten setzen, die auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ihr Publikum finden. So vergibt das Land Arbeitsstipendien: Künstlerinnen und Künstler sowie Ensembles können einmalig 2.000 Euro erhalten, um neue künstlerische Arbeiten auf den Weg zu bringen. Auch Kultureinrichtungen, Programmkinos und Vereine erhalten finanzielle Unterstützung, um ihre Existenz zu sichern und die Arbeit fortzuführen. Ein Investitionsprogramm von einer Million Euro soll die digitale Infrastruktur und die Arbeit mit Neuen Medien in der Kulturszene ausbauen.

„Die Corona-Pandemie stellt die Kunst und Kultur vor besondere Herausforderungen. Doch gerade in einer Krise brauchen wir Kultur: Sie stützt die Demokratie und die Meinungsbildung und bereichert das gesellschaftliche Miteinander. Nur auf dieser Grundlage sichern wir heute eine Gesellschaft, die auch in Zukunft für alle da ist“, verdeutlichte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Mit dem 6-Punkte-Programm stärken wir die Kultur in unserem Land und unterstützen die kulturelle Arbeit unter den neuen Rahmenbedingungen. Die Kulturszene soll in der Lage sein, kreativ mit den Auswirkungen der Pandemie umzugehen und sich dabei auch neu zu erfinden.“

Zentraler Baustein des Kulturprogramms ist das mit 7,5 Millionen Euro ausgestattete Stipendienprogramm. Kulturschaffende können ab Mitte Mai Arbeitsstipendien in Höhe von jeweils 2.000 Euro erhalten. Diese Förderung können Künstlerinnen und Künstler aus den kulturellen und künstlerischen Sparten erhalten, die Mitglieder in der Künstlersozialkasse sind und ihren ersten Wohnsitz in Rheinland-Pfalz haben. Das Land schafft ein digitales Schaufenster, in dem die Ergebnisse dieser Arbeitsstipendien dargestellt werden. Damit erhalten die Künstlerinnen und Künstler auch während der Corona-Pandemie die Möglichkeit, aufzutreten und ihre Werke darzustellen. Die Stipendien können ab dem 15. Mai 2020 beantragt werden. Dafür wird ein Online-Formular unter www.fokuskultur-rlp.de zur Verfügung gestellt.

Damit die vom Land geförderten Kultureinrichtungen in Rheinland-Pfalz im Zuge der Lockerungen des Shutdowns ihre Arbeit fortführen können, sieht das Land eine Unterstützung in Höhe von 4,5 Millionen Euro vor. Die Landesregierung möchte damit die Einrichtungen, wie zum Beispiel die sozio-kulturellen Zentren, in ihrer Existenz sichern und die Anpassung ihrer eigenen Kulturprogramme an die aktuellen Rahmenbedingungen unterstützen. Die kulturell bedeutsamen Programmkinos erhalten eine Förderung, um beispielsweise eine Umstellung der Angebote auf Freiluftveranstaltungen und Autokino-Formate vorzunehmen. Für sie ist eine halbe Million Euro vorgesehen. Kulturvereinen steht eine Unterstützungsmöglichkeit bei entstandenen Notlagen über das Landesprogramm „Schutzschirm Vereine in Not“ offen. Hierfür stellt das Kulturministerium zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Um die Präsentation kulturellen Schaffens im Internet und die künstlerische Arbeit mit neuen Medien zu stärken, legt die Landesregierung ein Investionsprogramm in Höhe von einer Million Euro auf. Kultureinrichtungen, Kulturinstitutionen sowie Kulturschaffende können Förderungen zwischen 1.000 und 10.000 Euro erhalten, um ihre digitale Infrastruktur aufzubauen oder zu verbessern.

„Wir wollen mit unserem 6-Punkte-Programm gute Grundlagen schaffen und neue Impulse für die Kulturszene setzen. Wir werden uns darüber hinaus dafür einsetzen, dass Einzelunterricht und Kleinstgruppen an Musikschulen wieder möglich werden sowie Museen eine Perspektive für die Wiedereröffnung erhalten in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen und unter Vorlage eines Hygienekonzeptes. Die rheinland-pfälzische Landesregierung wird in die Gespräche zwischen Bund und Ländern entsprechendes einbringen“, so Kulturminister Konrad Wolf.

Auch kündigte der Kulturminister an, dass der Kultursommer Rheinland-Pfalz seine Aktivitäten unter den neuen Bedingungen alsbald aufnehmen werde. So wird der Kultursommer Rheinland-Pfalz 2020 mit einem kurzfristig vorbereiteten Autokinoevent vom 14. Mai bis zum 18. Mai auf der Pfingstwiese in Bad Kreuznach starten, bei dem auch einige bekannte Künstlerinnen und Künstler aus Rheinland-Pfalz und darüber hinaus bei Einhaltung eines Schutzkonzeptes live mitwirken werden. Einige Kultursommer-Festivals werden 2020 ein vollständig digitalisiertes Programm anbieten. Andere, wie zum Beispiel das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen, werden zwar nicht wie geplant stattfinden, kündigen jedoch neue digitale Formate für ihr Publikum an.

„Auch wenn einige Veranstaltungen stattfinden, ist das nur ein kleiner Teil dessen, was im diesjährigen Kultursommer vorgesehen war. Daher wird das Motto ‚Kompass Europa: Nordlichter’ im kommenden Jahr erneut aufgerufen werden. Die für das zweite Maiwochenende bereits fertig geplante Eröffnungsveranstaltung in Zweibrücken wird um ein Jahr verschoben. Sie findet dort also in 2021 statt“, stellte Kulturminister Wolf in Aussicht.

Das Programm „Im Fokus: 6 Punkte für Kultur“ ergänzt die Soforthilfe-Maßnahmen von Bund und Land Rheinland-Pfalz. So betont der Kulturminister: „Die Bewältigung der Corona-Pandemie in der Kultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Bund und Ländern. Notwendige Nachbesserungen wie die Anerkennung des Unternehmerlohnes bei der Soforthilfe des Bundes sind unerlässlich. Auch brauchen wir ein kulturelles Konjunkturprogramm von Bund und Ländern, so wie wir dies als Land Rheinland-Pfalz nun vorgelegt haben. Daran müssen wir gemeinsam in den nächsten Wochen arbeiten.“

Streaming-Diskussion: Kulturminister Konrad Wolf diskutiert über Situation der Kulturszene

Das Kulturleben ist massiv von der Corona-Pandemie betroffen. Veranstaltungen können nicht durchgeführt werden, Aufträge brechen weg. Aber Künstlerinnen und Künstler warten auch mit neuen kulturellen Formate auf. Über die aktuelle Situation möchte Kulturminister Konrad Wolf mit der Vorstandsvorsitzenden des Museumsverbands Rheinland-Pfalz, Dr. Elisabeth Dühr, Margret Staal vom Vorstand der LAG Soziokultur und Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz und Markus Graf, Geschäftsführer der Initiative pop rlp, diskutieren. Das Streaming der Diskussionsrunde findet am Mittwoch, 29. April 2020, ab 19:00 Uhr auf dem Youtube-Kanal des Kulturministeriums unter Moderation von Roderick Haas, Kulturberater beim Kulturnetz Pfalz e.V., statt.

„Die Corona-Krise ist eine große Herausforderung für die rheinland-pfälzische Kulturszene. Wir als Landesregierung wollen, dass unser Kulturleben auch weiterhin so vielfältig bleibt wie bisher. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Kulturszene möchte ich diskutieren, wie sich die aktuelle Situation in der Kulturszene darstellt und wie wir neue Impulse setzen können“, so Kulturminister Konrad Wolf.

Das neue Format wird über den Youtube-Channel des Ministeriums live gestreamt werden. Der Shortlink ist: https://bit.ly/3eE8lF0. Fragen an die Teilnehmenden der Streaming-Diskussion können bis Mittwoch über die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. eingereicht werden.

Weiterhin stehen den rheinland-pfälzischen Kulturschaffenden die Kulturberaterinnen und Kulturberater als direkte Ansprechpartner zur Verfügung. Die beiden Kulturberater Dr. Björn Rodday (nördliches Rheinland-Pfalz) und Roderick Haas (südliches Rheinland-Pfalz) bieten umfassende Beratung für Kulturschaffende an. Ansprechpartnerin für die Kulturelle Bildung ist Christina Biundo von der Servicestelle Kulturelle Bildung in Trier. Auch die Interessensverbände in Rheinland-Pfalz und das Kulturministerium stehen weiterhin für Beratungen bereit.

Die Kulturberaterinnen und -berater sind wie folgt erreichbar:

Dr. Björn Rodday

Tel.: 0170/78 06 04 4

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Roderick Haas

Tel: 0176/23 26 34 83

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Christina Biundo

Tel. 0651/718 34 15

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

„Nach Indien gekommen als Lernende“

Studienreise des Bistumsprojekts Lokale Kirchentwicklung gibt Impulse für Pfarreien

Trier/Indien – Lebensfreude, Gastfreundschaft, eine tiefe Alltagsfrömmigkeit und noch viel mehr Eindrücke und Impulse haben sie aus Indien mitgebracht: Sieben Frauen und Männer aus dem Bistum Trier, die sich Ende Januar auf die Reise auf den Subkontinent gemacht hatten. Vom 30. Januar bis zum 21. Februar erhielten sie in verschiedenen Teilen des Landes Einblicke in das Leben kleiner christlicher Gemeinschaften. Ziel der Studienreise im Rahmen des Bistumsprojekts „Lokale Kirchenentwicklung: Handeln aus dem Wort Gottes – lokal – mit weltkirchlichen Impulsen“ ist es, Impulse und Ansätze für die eigenen Pfarreien zuhause zu gewinnen.

Für die Ehrenamtliche Beate Zwick aus Heimbach-Weis haben sich durch die Reise neue Perspektiven ergeben, wie sie sagt: „Die kleinen christlichen Gemeinschaften in Indien könnten auch für uns ein Zukunftsmodell sein. Das Bewusstsein der Menschen in Indien, aus dem Evangelium heraus ihren Alltag zu gestalten und darüber hinaus diakonisch unterwegs zu sein, hat mich beeindruckt. Das hat nichts mit unserem Sonntags-Christ-Sein zu tun, das ist gelebtes Taufbewusstsein.“

Warum gerade Indien als Beispielländer für eine der Lernreisen ausgewählt wurde? Hier sei schon vor Jahrzehnten auf eine Stärkung lokaler, netzwerkartiger kleiner Basisgemeinden gesetzt worden, erklären die Organisatoren Tomasz Welke, Referent bei der Diözesanstelle Weltkirche, und Franz Josef Dobelmann, Diakon und Leiter der katholischen Hochschulgemeinde Saarbrücken. In Indien sind nur etwa 2,3 Prozent der über 1,2 Milliarden Einwohner Christen. Aufgrund dieser diaspora-ähnlichen Situation beschloss die Kirche in Indien bereits in den 1980er Jahren, vermehrt auf kleine christliche Gemeinschaften zu setzen. Zudem formulierte 1990 die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenz einen bis heute gültigen Plan für die Seelsorge, der ebenfalls auf solche Strukturen aufbaut. Seitdem ist viel passiert: Heute zählt die katholische Kirche in Indien fast 90.000 kleine christliche Gemeinschaften. Eine sogenannte „SCC“ - eine Small Christian Community - setzt sich aus 25 bis 30 „benachbarten“ Familien zusammen, die sich regelmäßig treffen. Die Menschen teilen das Wort Gottes miteinander – das „Gospel sharing“. Ein wichtiges Ziel dieser Treffen sei, dass die Menschen daraus auch ganz konkretes diakonisches Verhalten für ihr tägliches Leben ableiten – also sich in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen.

Durch den Aufbau und die Betreuung der vielen kleinen christlichen Gemeinschaften habe die katholische Kirche in Indien den Glauben und die Kirche selbst näher zu den Menschen gebracht, erklärt Dobelmann. Durch die regelmäßigen Treffen in den SCCs wüssten die Menschen mehr voneinander und hätten gelernt, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu helfen. So seien vielerorts Gemeinschaften entstanden, in denen Menschen in einer von Wohlwollen und Verständnis geprägten Atmosphäre sich, ihre Probleme und ihre Sorgen zur Sprache bringen könnten.

Während der Lernreise in Indien besuchten die Teilnehmenden das Pastoralzentrum für lokale Kirchenentwicklung in Nagpur. Dort beschäftigten sie sich mit der Theorie und Praxis der „SCCs“, trafen den Bischof des Ortes und besuchten in den Pfarreien kleine christliche Gemeinschaften. Fünf Tage verbrachten die Teilnehmenden zudem in Mangalore und Delhi, wo sie Gemeinden und einzelne Familien besuchten, an Diözesantreffen teilnahmen und mit Bischöfen ins Gespräch kamen, um so einen vertiefenden Einblick in das Leben und die Organisation der kleinen christlichen Gemeinschaften zu erhalten.

Viele indische Christen seien von den SCCs überzeugt und sogar begeistert. Dieser Funke sei auch übergesprungen, wie die Teilnehmenden berichten: „Die Herzlichkeit und Grundfrömmigkeit der Menschen, mit denen wir zusammen trafen, hat mich wirklich überzeugt“, sagt Elisabeth Schmitz auf der Pfarreiengemeinschaft Gerolstein. Überrascht habe sie, dass die Bibel ihren festen Platz im Alltag habe und dass auch die Kinder beim Bibelteilen oder Beten fest eingebunden seien. Auch die Teilnahme Andersgläubiger stelle kein Problem dar. „Es war auffallend, dass die Bischöfe hinter dem Projekt der SCC stehen und diese unterstützen und fördern.“ Auch Beate Zwick stimmt ihrer Mitreisenden zu: „Mich hat positiv überrascht, wie schnell man mit hohen Würdenträgern ohne lange Wartezeiten oder Ankündigungen ins Gespräch kommt und wie klar sie dann auch Position beziehen.“ Interessant war für sie und ihren Ehemann Peter Zwick, der ebenfalls teilnahm, auch die Übernahme alter kultureller indischer Riten in christliche Gebräuche. „So haben wir zum Beispiel die Schuhe im Gotteshaus ausgezogen, es gab dort Räucherstäbchen und Blumengirlanden.“ Ihren Mann überzeugte vor allem die gute Gemeinschaft in den SCC trotz großer Altersunterschiede und verschiedener sozialer Schichten der Mitglieder. „Es ist eben aber auch ein anerkanntes, gut gefördertes Modell, Kirche zu sein, das durch Schulungssysteme, geistliche Begleitung und Großveranstaltungen gestützt wird. Nicht zuletzt deshalb ist es ein Erfolgsmodell“, so Beate Zwick. Ob solche Strukturen auch auf Gemeinschaften im Bistum Trier übertragbar sind? In den ersten Tagen habe sie versucht, sich vorzustellen, ihre direkten Nachbarn zu einem „Bibelteilen“ einzuladen, mit der Erkenntnis, „dass ich das wohl nicht schaffen würde, die Nachbarn dafür zu gewinnen“, sagt Beate Zwick. Doch sie sei dann erleichtert gewesen, dass auch bei den SCC der Begriff „nachbarschaftlich“ eher auf gleichgesinnte Gruppierungen, Freundes- oder Familienkreise bezogen sei.

Bereichert durch die Begegnungen in Indien haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Pfarreien Ideen und Perspektiven, Glauben vor Ort zu leben, mitgenommen. Noch bis Ende 2021 wird das Bistumsprojekt zur lokalen Kirchenentwicklung laufen. Ursprünglich stand im Laufe des Projektes im Sommer eine weitere Reise nach Bolivien an, die aber vermutlich wegen der Corona-Krise nicht stattfinden kann. Begleitet werden die Lern- und Begegnungsreisen durch Studien- und Praxistage – stets im Austausch mit anderen Projektteilnehmern und begleitet vom Bistum Trier. Dank der Unterstützung durch die Bischof Stein Stiftung sind die Bildungsreisen für die Projektteilnehmer auch finanziell möglich. „Wir kamen nach Indien als Lernende, da hier schon seit über zwanzig Jahren die SCC erfolgreich laufen“, sagt Welke. „Das Lernen und die kritische Auseinandersetzung mit Glaubensrealität in anderen Kulturen bringt wertvolle Impulse. Begegnung mit ‚Fremden‘ kann helfen, zu sich zu finden.“

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