Samstag, 23. Oktober 2021

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Vor 76 Jahren: Beim Bombenangriff im Bunker verschüttet -

Ein Tag, den die Niederadenauer nicht vergessen werden

Von Hans-Peter Meyer

Niederadenau/Bad Ems.  Jedes Jahr zu Beginn des Monats Februar kommen insbesondere bei den älteren Menschen von Niederadenau die Erinnerungen zurück: Ein schwarzer Tag in der Geschichte der Niederadenauer ist der 2. Februar 1945.

An diesem Tag, der sich nun zum 76. Male jährt, starben acht Menschen - darunter drei Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren - durch einen Bombenangriff.

Obwohl es im zweiten Weltkrieg in Niederadenau keine direkten Angriffsziele für die feindlichen Bomber gab, hatten die Bewohner vorsorglich in den Berg über dem heutigen „Tannenweg“ einen Schutzbunker gebaut. Ihn suchten die Bürger des Ortes immer dann auf, wenn man in der Luft „bedrohliche“ Fliegergeräusche hörte und Flugzeuge im Anflug schienen. Allerdings waren in den letzten Kriegstagen sehr viele Soldaten in Niederadenau untergebracht. So waren dann auch am 2. Februar 1945 schon zeitig morgens die feindlichen Bomber in der Luft zu hören, und ein großer Teil der Bevölkerung suchte Schutz im Bunker. Gegen zehn Uhr eröffneten feindliche Flieger mit Bordwaffengeschützen das Feuer und setzten einige Häuser und Scheunen in Brand, so dass besonders Männer den Schutzbunker verließen, um zu retten, was noch zu retten war.

Durch einen weiteren Bordwaffenschuss wurde dabei ein 49-jähriger Mann - verheiratet und Vater von fünf Kindern - so schwer verletzt, dass er am nächsten Morgen nach einer Operation im Adenauer Krankenhaus verstarb. Gegen 12.30 Uhr, als sich die meisten Bürger um ihr Hab und Gut im Dorf kümmerten, fielen drei Bomben hinter dem heutigen „Tannenweg“, und eine Bombe detonierte genau vor dem Eingang zum Bunker, wodurch dieser verschüttet wurde. Sofort eilten Mitbürger aus dem Ort zum Bunker, doch konnten nur noch zwei Menschen, Franz Kossmann und dessen Tochter Elisabeth (später verheiratete Meyer), lebend gerettet werden. Für die übrigen kam jede Hilfe zu spät. Im Bunker starben zwei Soldaten, drei Kinder (Werner Ginsterblum, elf Jahre alt; Erwin Schooß, sieben Jahre, und Arthur Hollender, ebenfalls sieben Jahre alt), Gertrud Kossmann und Elisabeth Kaas geb. Merten, einziges Kind ihrer Eltern und gerade seit neun Monaten verheiratet, ihr Ehemann als Soldat an der Kriegsfront.

Das Dorf war wie gelähmt. Hier und da brannte es lichterloh, und dazu dann der Tod von insgesamt acht Menschen. Noch heute sagen die Bürger, das Leid wäre noch unermesslich größer gewesen, hätten nicht die meisten Bürger den Bunker wegen der Brände im Ort morgens verlassen, denn zunächst waren etwa 40 Niederadenauer in den Bunker geeilt, von denen sicherlich noch viele mehr ums Leben gekommen wären. Aber auch so bescherte der 2. Februar 1945 dem Ort Niederadenau große Trauer und unsägliches Leid.

Noch heute sieht man die Mulde des Bombeneinschlags, dort errichtete nach dem Krieg der Niederadenauer Mitbürger Matthias Ginsterblum einen Muttergottes-Bildstock mit den Namen all derer, die an diesem Tag auf so schreckliche Weise ums Leben kamen. Und auch heute nach genau sechsundsiebzig Jahren ist diese stille Gedenkstätte immer mit brennenden Kerzen und Blumen geschmückt. Der Gärtner und Gastwirt Reinhold Ginsterblum, dessen Bruder Werner bei dem Bombenangriff  im Alter von 11 Jahren sein Leben verlor, hat sich viele Jahrzehnte mit großem Engagement um die Pflege des Bildstocks und auch um die Gemeinschaftsgrabstätte der gemeinsam auf dem Friedhof in Dümpelfeld beigesetzten Opfer gekümmert hat, ist vor drei Jahren im Alter von 88 Jahren verstorben. 

Wer von uns heute Lebenden weiß wirklich , was Krieg heißt, wer kennt noch die Menschen, deren Namen auf den Gedenktafeln eingraviert sind? Namen und Schicksale verblassen vielleicht im Laufe der  Jahrzehnte. Im Bewusstsein der nachfolgenden Generationen sollte das Erinnern an diese bitteren Zeiten als eine Verpflichtung  gelebt werden. Wir dürfen und wollen nicht vergessen, deshalb sollten wir uns immer wieder erinnern und der Opfer gedenken.

Zur Erinnerung an diesen Tag vor 76 Jahren bleibt als Fazit: Die Toten mahnen uns täglich zum Frieden und zur Versöhnung unter den Menschen. Versöhnung ist die Wurzel, aus der Frieden wächst wie ein Baum, in dessen Schatten die Menschen Verständnis füreinander und innere Zufriedenheit finden. Diese Botschaft möchte ich immer wieder – solange wie möglich - als mahnende Erinnerung an die folgenden Generationen weitergeben.

©) Hans-Peter Meyer 


Hintergrund: 
Den Autor Hans-Peter Meyer verbindet eine traurige Erinnerung an dieses schlimme Ereignis. Das ist ein Teil seiner Vita.
Bei dem Bombenangriff am 2. Februar 1945 kam – wie vorerwähnt - seine Großmutter Gertrud Kossmann geb. Hoffmann ums Leben.

Sein Großvater Franz Kossmann (verst. +1954) und seine Mutter Elisabeth Kossmann (später verheiratete Meyer) wurden verschüttet und konnten als einzige lebend gerettet werden. In Gesprächen mit seiner  im Dezember 1999 verstorbenen Mutter hat der Autor versucht, dieses traumatische Geschehen aufzuarbeiten und schriftlich für nachfolgende Generationen festzuhalten. Möge die örtliche Gemeinde dazu beitragen,dass die Gedenkstätten als mahnende Erinnerung weiter erhalten und gepflegt werden.

Hans-Peter Meyer (Foto, Jahrgang 1950), in Niederadenau geboren und aufgewachsen, beschäftigte sich auch mit den zum  Teil traurigen Abschnitten der Geschichte seines Heimatortes.  Seit einigen Jahren lebt er in Bad Ems.

Unterstützung für rheinland-pfälzische Kulturszene:

Bartel Meyer ist neuer Kulturberater im Kulturbüro Rheinland-Pfalz

Bartel Meyer hat als neuer Ansprechpartner für Kulturschaffende, die vor allem im Norden des Landes aktiv sind, seine Tätigkeit im Kulturbüro Rheinland-Pfalz der LAG Soziokultur & Kulturpädagogik e.V. zu Jahresbeginn aufgenommen. Zu vielen Fragen, die sich im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise stellen, aber auch zu Themen darüber hinaus finden Kulturschaffende in Rheinland-Pfalz Informationen und Unterstützung bei den Kulturberatenden. Die regionalen Beraterstellen für den Kulturbereich waren 2019 mit Landesmitteln eingerichtet worden.

„In den vergangenen Monaten haben die Kulturberater Einrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler aus Rheinland-Pfalz nachhaltig dabei unterstützt, die pandemiebedingte Krise zu bewältigen und passende Hilfsinstrumente zu finden. Das Beratungsangebot ermöglichte vielen Kulturschaffenden, erfolgreich Fördermittel zu beantragen und so ihre Arbeit auch während der notwendigen Corona-Beschränkungen weiter zu präsentieren. Darin zeigt sich, dass die Initiative der Landesregierung, die Kulturszene durch regionale Beratende zu unterstützen, erfolgreich ist. Ich danke Björn Rodday und Stephan Bock für ihr großes und professionelles Engagement und ihre hervorragende Arbeit. Gleichzeitig freue ich mich auf die gute Zusammenarbeit mit Bartel Meyer, mit dem wir einen sehr qualifizierten und erfahrenen Kulturmacher für die Aufgabe als Kulturberater gewonnen haben“, so Minister Prof. Dr. Konrad Wolf.

Bartel Meyer folgt auf Dr. Björn Rodday und Stephan Bock. Während seiner Tätigkeit als kommissarischer Kulturberater in den vergangenen Monaten erstellte Stephan Bock unter anderem einen aktuellen und umfassenden Gesamtüberblick zu den verschiedenen Corona-Förderprogrammen auf Landes- und Bundesebene. Über sie wird Bartel Meyer künftig weiter informieren und Kulturschaffende bei ihrer Arbeit, insbesondere bei der Suche nach passenden Förderprogrammen und der Beantragung von Fördermitteln, aber auch bei der Koordinierung und Vernetzung ihrer Aktivitäten unterstützen.

Bartel Meyer freut sich auf seine neue Tätigkeit: „Ich freue mich sehr, in meine alte Heimat zurückzukehren und die Kulturschaffenden des Landes kennenzulernen. Nach vielen Jahren in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bin ich gespannt auf den kollegialen Austausch zu bestehenden Projekten und Ideen für die Zukunft in Rheinland-Pfalz. Ich sehe meine Aufgabe in der Beratung darin, die große Bandbreite der Förderlandschaft für die Kulturschaffenden im Land greifbar zu machen und wünsche mir dabei, dass viele Projekte realisiert werden können.“

Bartel Meyer hat seine neue Tätigkeit im Januar 2021 aufgenommen. Er ist seit 1996 künstlerisch tätig und hat verschiedene Projekte unter anderem für die Expo 2000, zur Eröffnung der Ruhr 2010 oder anlässlich 25 Jahre Mauerfall Berlin, realisiert. Er veranstaltete Straßenkunstfestivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz und entwickelte das künstlerische Konzept der Internationalen Kulturbörse für Theater im öffentlichen Raum in Paderborn. Ab 2012 war er geschäftsführend im internationalen Produktionszentrum für Darstellende Kunst, Schloss Bröllin, in Mecklenburg-Vorpommern (MV) tätig. Auch die Vorstandsarbeit in verschiedenen Vereinen und Verbänden, wie dem Kunst- und Kulturrat MV oder dem Bundesverband Theater im öffentlichen Raum, sowie die Projektentwicklung in ländlichen Regionen und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stiftungen und Förderprogrammen gehörten zu seinen Aufgaben.

„Keiner schafft es Alleine“

Dezernentin für Bildung und Kultur dankt Initiatoren von Solidaritätsaktionen

Die Dezernentin für Bildung und Kultur, PD Dr. Margit Theis-Scholz, bedankte sich am Freitag, 21. Januar im Rahmen einer Videokonferenz bei den Initiatoren zweier Initiativen zur Unterstützung der Koblenzer Kulturlandschaft. Zum einen handelte es sich dabei um die regionale Umsetzung der Kampagne „Kulturgesichter“ durch Herbert Piel und Michael Enchelmaier, zum anderen um die Realisierung des Solidaritätsalbums „Koblenz calling“ durch Caroline Nies und Thomas Huber. Bei „Kulturgesichter“ handelt es sich um eine deutschlandweite Aktion, die Portraits von Menschen vor und hinter den Kulissen des Kulturbetriebs zeigt und so auf dessen Bedeutung verweist, bei „Koblenz Calling“ um ein Album, über dessen Verkaufserlöse Koblenzer Clubs unterstützt werden.

„Es ist mir ein ausdrückliches Bedürfnis Dankeschön für die beiden beispielhaften Initiativen zur Unterstützung der regionalen Kulturlandschaft zu sagen“, machte Theis-Scholz deutlich. Es sei schön zu sehen, wie Koblenz und die Region zur Bewältigung der Krise zusammenstehen. „Keiner von uns schafft es alleine“, ergänzte die Dezernentin. Es brauche eine Stadtverwaltung mit ihren Initiativen, einen Koblenzer Kulturverein mit seinen Projekten Bleibt weg-Festival und #RettetKoblenzerKultur und die Kulturschaffenden selbst, die in den vergangenen Monaten einen beeindruckenden und kreativen Umgang mit den Folgen der Schließungen gezeigt hätten.

Alle waren sich einig, dass es neben den notwendigen Antworten auf die allgegenwärtigen existenziellen Fragen und den damit verbundenen finanziellen Auswirkungen auch die ideellen Formen der Wertschätzung brauche. „Nur durch ein solches Engagement können die Künstler und Kulturveranstalter ein Zeichen bekommen, dass sie nicht vergessen sind und dass wir alle gemeinsam auf einen Neustart des Kulturbetriebs mit Publikumskontakt in nicht allzu ferner Zukunft hoffen“, machte Theis-Scholz deutlich. Piel ergänzte mit Blick auf die Kampagne Kulturgesichter: „Es geht uns weniger um Geld, als darum das Bewusstsein dafür zu schärfen, was hinter den Kulissen alles passiert. Diesen Leuten eine Bühne zu bieten war und ist uns ein Bedürfnis.“ Auch die Initiatoren von „Koblenz Calling“ stellten klar: „Wir retten mit dem Album keine Clubs, aber wir wollten mit der Idee unseren Beitrag leisten.“ Mit der Realisierung der Platte Koblenz calling verwirklichte Huber eine schon länger verfolgte Idee, die nun zunächst fünf Koblenzer Clubs zugute kommt. Und es soll weitergehen: Eine zweite Platte mit regionalen Vertretern der Indie-Pop-Szene ist bereits auf dem Weg, insgesamt sollen fünf Platten mit verschiednen Stilrichtungen erscheinen. Dabei denken Huber und Nies auch über den musikalischen Tellerrand hinaus. Die Cover der Platten sollen zukünftig von regionalen Künstlern gestaltet werden.

Abschließend zeigten sich alle davon überzeugt, dass die durch die Krise erzeugten Solidaritätswellen und gestarteten Initiativen über die Krise hinaus Wirkung zeigen werden und bei allen Schwierigkeiten ein Zeichen der Hoffnung darstellen.

Preisverleihung zum deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur

Christian Mang und Mario Lars gewinnen die Rückblende 2020

Die Sieger der 37. Rückblende stehen fest: Es sind der Fotograf Christian Mang und der Karikaturist Mario Lars. Beide konnten die Jury des deutschen Preises für politische Fotografie gemeinsam mit dem Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen überzeugen, der von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. (BDZV) vergeben wird. Christian Mang erhält den mit 7.000 Euro dotierten Foto-Preis der Bevollmächtigten für eine Aufnahme, die eine Berliner Protestdemo in Berlin aus dem Frühjahr 2020 zeigt als Demonstrantinnen ohne Mund-Nasen-Schutz Polizisten anschreien. Der Karikaturist Mario Lars gewinnt den Karikaturenpreis der deutschen Digitalpublisher und Zeitungsverleger für eine Zeichnung, die sich mit dem Lockdown während der Corona-Pandemie auseinandersetzt. Der Preis ist verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.

Die Jury-Vorsitzende, Staatssekretärin Heike Raab, erklärte: „Mit der Rückblende 2020 schauen wir zurück auf ein Ausnahmejahr, das uns in vielerlei Hinsicht gefordert hat. Wir beschreiten aber auch neue Wege: Mit der digitalen Preisverleihung können wir heute ein breiteres Publikum erreichen und für den deutschen Preis für Fotografie und Karikatur werben. Außerdem zeigen wir die Rückblende-Ausstellung mit den 100 besten Fotos, 5 besten Foto-Serien und 50 besten Karikaturen in einem neuen „Showroom“ auf der Webseite www.rueckblende.de. Hier können die Besucherinnen und Besucher auch bis zum 17. Februar für ihre Favoriten abstimmen, den beliebten Publikumspreis wählen. Gleichzeitig haben wir mit dem Showroom nun eine digitale Alternative, sollten – wie im vergangenen Jahr – nicht alle Tourneestationen ausstellen können.“

Zu den weiteren Gewinnern des Abends zählten der Fotograf Daniel Pilar, der für den „Leica-Camera-Preis - die beste Serie 2020“ mit einer Leica CL Kamera ausgezeichnet wurde. Seine Serie Geschlossene Gesellschaft – Stillstandsverwalter in der Corona-Pandemie. zeigt sechs Personen in ihren Unternehmen und Institutionen, die Corona-bedingt derzeit keinen Publikumsverkehr haben, darunter der Kölner Dom, die Elbphilharmonie und der Frankfurter Flughafen. Der Fotograf Michael Kappeler erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Preis für „Das scharfe Sehen 2020“ gestiftet von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz für sein Foto der Aspiranten auf den CDU-Parteivorsitz, Friedrich Merz und Armin Laschet.

In der Kategorie Karikatur überzeugten Klaus Stuttmann mit Variantenreichtum zum Tragen von Alltagsmasken unter dem Titel „Es lebe der Föderalismus!“ und Mathias Hühn mit einer Karikatur des AfD-Vorsitzenden, der einen abgestorbenen Baum als Klimahysteriker beschimpft. Klaus Stuttmann erhielt den mit 2.000 Euro dotierten „2. Preis Karikatur“, Mathias Hühn den „3. Preis Karikatur“ und 1.000 Euro. Diese wurden wie auch der 1. Preis gestiftet vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V.

Heike Raab dankte in diesem Zusammenhang allen Partnern der Rückblende, die trotz eines wirtschaftlich angespannten Jahres den Preis unterstützen. „Die Beschränkungen der Pandemie sind für uns alle spürbar – gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich; sie stellen ebenso die Medienschaffenden vor Herausforderungen. Ich bin daher dankbar für die Rekordteilnahme von 1.587 Einsendungen und das Engagement unserer Partner, die der Rückblende ihren Stellenwert als politisches Bildgedächtnis geben.“

Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Damals wie heute gehört Jüdisches Leben zu Rheinland-Pfalz

Landesregierung und jüdische Gemeinden haben den Startschuss für das Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz“ (#2021JLID) gegeben. Ein umfangreiches Programm mit mehr als 70 Veranstaltungen von 30 Partnerinnen und Partnern wird 2021 jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz sichtbarer machen und ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus setzen. „Allen Programmpunkten ist gemeinsam, dass sie vielfältige Begegnungen mit dem Judentum ermöglichen. Wir wollen zeigen, dass es seit vielen Jahrhunderten ein bedeutender Bestandteil unserer Kultur ist. Wir richten den Blick aber auch in die Gegenwart und in die Zukunft jüdischen Lebens. Gemeinsam machen wir deutlich, dass jede Form von Antisemitismus bei uns keinen Platz hat“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Programmvorstellung in Mainz. An der Pressekonferenz nahmen auch Kulturminister Prof Dr. Konrad Wolf sowie der Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, Dieter Burgard, der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, und Sylvia Löhrmann und Andrei Kovacs vom Verein „321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, teil.

Ein Erlass des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 gilt als das älteste erhaltene Schriftzeugnis jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Das 1.700-jährige Jubiläum wird bundesweit unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten vom Verein „321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mit Sitz in Köln organisiert und koordiniert. Alle mehr als 1.000 geplanten Veranstaltungen in Deutschland stehen natürlich unter dem Vorbehalt der aktuellen Corona-Situation.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankte dem Verein, den jüdischen Gemeinden im Land sowie den zahlreichen Akteuren, Initiativen und Institutionen, die das Jubiläum in Rheinland-Pfalz trotz aller Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie so engagiert gestalten. „Wir freuen uns auf dieses besondere Festjahr und die vielfältigen Begegnungen mit der jüdischen Kultur. Für Rheinland-Pfalz ist es umso bedeutender, da in diesem Jahr über die Aufnahme der SchUM-Stätten in das UNESCO-Weltkulturerbe entschieden wird“, so die Ministerpräsidentin.

„Die Monumente und Friedhöfe in den SchUM-Gemeinden sind einzigartige Zeugnisse der kontinuierlichen, über tausendjährigen Präsenz jüdischer Gemeinden in unserem heutigen Bundesland, an denen die Geschichte der Begegnung und Verfolgung gleichermaßen eindrücklich ablesbar ist“, sagte Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf. Die Eintragung in die Liste des UNESCO-Welterbes würde ihre Bedeutung als außergewöhnliche Zeugnisse jüdischer Geschichte und christlich-jüdischer Begegnungen unterstreichen. Sie würde gleichzeitig aber auch die Möglichkeit eröffnen, mehr noch als bisher, jüdische Geschichte, Kultur und Religion in ihrer Vielfältigkeit zu vermitteln und vor allem auf ganz verschiedenen Ebenen miteinander ins Gespräch zu kommen, so Wolf.

Der Koordinator für das Festjahr in Rheinland-Pfalz, Dieter Burgard informierte über die Akteure des Festjahres, zu denen unter anderem die Landeszentrale für politische Bildung, die Volkshochschulen, der Kultursommer, die Villa Musica, das Pädagogische Landesinstitut, die jüdischen Gemeinden, der Landesverband der Bibliotheken wie auch regionale Institutionen und Kommunen gehören. „Einige Höhepunkte sind eine Konzerttournee mit israelischen Musikern und ein Schülerwettbewerb der Leo Trepp Stiftung für alle 9. und 10.Klassen. Dem SWR danke ich für einen Filmbeitrag, der am 17. Januar im Fernsehen gezeigt wird“, so der Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen.

Auch wies er darauf hin, dass am 2. Februar 2021 auf Initiative von Rheinland-Pfalz eine Briefmarke zum Festjahr mit dem hebräischen Wort „Chai“ (Leben) erscheint.

„Es ist wichtig, durch die Veranstaltungen des Festjahres der Gesellschaft einen Impuls zu einem neuen Miteinander zu geben und dabei Klischees und Vorurteile abzubauen“, sagte Avadislav Avadiev, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz. Es werde von einer Vielzahl von Akteuren, jüdischen und nicht jüdischen Institutionen, Vereinen, Initiativen, Künstlerinnen und Künstlern unterstützt. „Wir möchten alle ganz herzlich dazu einladen, mit Ihren Familien, die diversen Veranstaltungen zu besuchen und so Teil der gelebten Vielfalt zu werden“, so Avadiev.

Die Generalsekretärin des Vereins „321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ Staatsministerin a. D. Sylvia Löhrmann betonte: „Jüdinnen und Juden haben unser Land an unzähligen Stellen maßgeblich mitgestaltet und geprägt. Im Festjahr wollen wir auch die große Vielfalt des Judentums von heute sichtbar und erlebbar machen. Wir werden Raum für Begegnungen schaffen. Begegnungen und Gespräche schaffen Nähe. Nutzen wir diese Chance!“

Der leitende Geschäftsführer Andrei Kovacs ergänzte: „Der Beginn des Festjahres in Rheinland-Pfalz ist ein wichtiger und bedeutender Schritt im gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und ein wichtiger Beitrag für eine Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland. Unser Ziel ist es, dass jüdisches Leben in Deutschland zu einem Stück Normalität wird.“

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