Freitag, 26. Februar 2021

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Kulturminister Wolf: „Wir lassen die Künstlerinnen und Künstler in Rheinland-Pfalz nicht allein“

Im Kampf gegen die Corona-Epidemie ist seit Mitte März der gesamte Kulturbetrieb zum Erliegen gekommen. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt, um die Sicherheit und die Gesundheit für Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten. Dies betrifft Kultureinrichtungen wie Theater, Orchester, Museen, Bibliotheken, Archive, Musikschulen, viele Projekte, aber auch die Arbeit von Agenturen, Grafikern, Technikfirmen und vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern.

„Viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler, wie auch die übrigen Selbständigen im Kultur- und Kreativbereich haben durch die Absage von Veranstaltungen keine Arbeit und damit auch kein Einkommen mehr“, sagte Kulturminister Konrad Wolf. „Kultureinrichtungen stehen vor massiven, teilweise existenzbedrohenden Einnahmerückgängen. Damit das kulturelle Leben nicht nachhaltig Schaden erleidet, werden wir die Künstlerinnen und Künstler in dieser schwierigen Situation nicht allein lassen. Zur Unterstützung nenne ich drei Bausteine: Erstens das 50 Milliarden Euro-Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen, auf das ich, gemeinsam mit meinen Länderkolleginnen und -kollegen in der Kulturministerkonferenz der vergangenen Woche hingewirkt habe. Zweitens werden wir die Förderungen des Landes unverändert weiterlaufen lassen. Ich habe heute entschieden, dass für alle Projektförderungen des Landes der Bewilligungszeitraum bis zum Ende des Jahres verlängert wird und die Förderbedingungen des Landes der aktuellen Situation angepasst werden. Zu guter Letzt brauchen wir Ansprechpartner für die Kulturszene. Die Kulturschaffenden und die Einrichtungen haben nun viele Fragen. Unsere Kulturberater Dr. Björn Rodday und Roderick Haas haben sich bereit erklärt als Ansprechpartner den Kulturschaffenden zur Seite zu stehen. Diese Krise können wir nur bewältigen, wenn das Land und die Kulturszene zusammenstehen.“

In der letzten Woche hatten die Kulturminister der Länder und die Kulturstaatsministerin des Bundes vereinbart, Finanzmittel und Mittel für Härtefälle insbesondere für freie Kulturschaffende sowie für private Kultureinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Inzwischen ist klar, dass ein 50 Milliarden Euro-Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen auf den Weg gebracht wird mit einem Notfall-Fonds und Krediterleichterungen. Kleine Unternehmen und Solo-Selbständige sollen infolge der Corona-Krise Soforthilfen in Höhe von bis zu 9.000 bzw. 15.000 Euro erhalten. Bereits diese Woche werden Bundestag und Bundesrat entsprechende Beschlüsse fassen.

Darüber hinaus werden die Förderbedingungen in Rheinland-Pfalz der aktuellen Situation angepasst. Zuwendungsempfänger erhalten ihre Förderungen auf der Grundlage ihrer Anträge, die sie bereits bis Ende Februar an das Land gestellt hatten. Grundlegend ist dabei die Verpflichtung durch Veränderungen oder Verschiebungen des Projekts einen möglichen finanziellen Schaden zu minimieren. Für alle Projektförderungen des Landes wird der Bewilligungszeitraum bis zum Ende des Jahres verlängert. Damit werden die Veranstalter unbürokratisch in die Lage versetzt, Veranstaltungen nicht abzusagen, sondern zu verschieben, eventuell bis zum Ende des Jahres.

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Veranstaltungen oder Projekte, die abgesagt wurden oder noch abgesagt werden müssen. Bei diesen Veranstaltungen müsste das Land die Förderung zurückfordern. Das soll nun grundsätzlich nicht so gehandhabt werden. Bereits getätigte und nicht mehr abwendbare Ausgaben bzw. Verpflichtungen kann der Zuwendungsempfänger nun im Verwendungsnachweis als Ausgaben geltend machen. Ebenso werden die institutionellen Förderungen unbürokratisch gehandhabt und so bewilligt wie im Haushaltsplan des Landes vorgegeben, damit die Liquidität dieser Einrichtungen sichergestellt ist.

Ansprechpartner für die Kulturschaffenden im Norden des Landes ist Björn Rodday, der bei der LAG Soziokultur in Lahnstein angesiedelt ist. Für den Süden des Landes übernimmt Roderick Haas diese Aufgabe. Er sitzt beim Kulturnetz Pfalz e.V. Daneben können sich die Kulturschaffenden auch an ihre jeweiligen Interessenverbände wenden.

„Die Bundesländer und der Bund haben sehr rasch den Ernst der Lage erkannt. Auf mehreren Ebenen, EU, Bund, Länder werden jetzt Hilfspakete und andere Maßnahmenpakete geschnürt. Aktuell wird auf Bundeseben ein 50 Milliarden Euro-Paket für Freiberufler und Solo-Selbständige vorbereitet. Darauf haben wir, die Kulturminister der Länder, immer wieder gedrängt. Das ist eine gute Nachricht für die Kultur- und Kreativszene. Genau das brauchen wir nun. Viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler haben keinen Puffer um ihre Einnahmeausfälle zu überbrücken. Da muss jetzt schnell geholfen werden. Wir als rheinland-pfälzische Landesregierung werden alles tun, damit das Paket schnell kommen kann“, so der Kulturminister abschließend.

Blätter zum Land: Frankenthal und die erste staatliche Schule für höhere Mädchenbildung

Neue Ausgabe „Die Karolinenschule in Frankenthal – erste staatliche Schule für höhere Mädchenbildung in deutschen Landen“ in der Reihe „Blätter zum Land“ erschienen / Kostenlos erhältlich

Die Blätter zum Land der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz erschienen erstmals 1999 und waren direkt ein Erfolg.
Die neue Ausgabe „Die Karolinenschule in Frankenthal – erste staatliche Schule für höhere Mädchenbildung in deutschen Landen“ (Blätter zum Land Nr. 81), verfasst von Lars Beißwenger und Anneli Langhans-Glatt, bietet die Anfänge der Bildungsgeschichte für Frauen in der Region. Kurfürst Carl Theodor forderte in seiner „Churfürstlichen Schulordnung“ von 1778 alle Eltern auf, „ihre Kinder, auch die Mädchen, in die öffentliche Schule zu schicken“.1780 gründete Louise L’Ecuyer in Frankenthal das damals hochmoderne „Erziehungshaus für Frauenzimmer protestantischer Religion“, die einzige nicht-klösterliche höhere Mädchenschule mit weltlichen Lehrkräften in der Kurpfalz, die 1786 auch für katholische Mädchen geöffnet wurde.“

Bernhard Kukatzki, Direktor der LpB: „Bildungspolitische Bemühungen waren auch zur Zeit der Aufklärung vor allem auf Jungen beschränkt. Bildung wurde für die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft schlicht nicht vorgesehen, selbst Aufklärer wie Rousseau lehnten Bildung im Sinne einer Vorbereitung zu einer eigenständigen und aktiven gesellschaftlichen Teilnahme für Frauen ab. Nicht nur in der Kurpfalz kam der Frankenthaler Mädchenschule damals eine besondere Rolle zu. Sie war eine der wenigen höheren Mädchenschulen überhaupt, die ein umfassenderes reformpädagogisches Konzept verfolgte. Unser neues Heft der Reihe Blätter zum Land beschreibt die wechselhafte Geschichte der späteren Karolinenschule bis heute.“
Die neue Ausgabe ist momentan ausschließlich auf schriftliche Bestellung bei der Landeszentrale für politische Bildung, Am Kronberger Hof 6 in 55116 Mainz ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) kostenlos erhältlich. Eine Mitnahmemöglichkeit besteht derzeit nicht. Als pdf-datei ist sie auf der Homepage der LpB unter www.politische-bildung.rlp.de/publikationen/blaetter-zum-land.htm auch herunterladbar.

Blätter zum Land
Jedes „Blatt“ ist im Format DIN A5 und hat üblicherweise 8 Seiten. Inhaltlich dreht sich die Reihe um Rheinland-Pfalz, die Menschen, das Land und seine Geschichte, seine Geografie, seine Wirtschaft, seine Kultur und Partnerschaften, und nicht zuletzt seine politischen Grundlagen. Themen, die man irgendwo her kennt und zu denen man immer schon mal Genaueres wissen wollte. Kurze, präzise Texte, aussagekräftige, teils farbige Fotos, Bilder und Karikaturen im ansprechenden Layout, bieten einen schnellen, leichtverständlichen, aber nie leichtgewichtigen Zugang. Alles Wesentliche kurz gefasst.

Unter www.politische-bildung-rlp.de können Sie auch schon
erschienene Ausgaben der Blätter im pdf-Format herunterladen

Vorstandssitzung der Deinhard-Stiftung im Museum Mutter-Beethoven-Haus

Bereits Anfang März fand die jährlich stattfindende Vorstandssitzung der Deinhard-Stiftung statt. Seit ihrer Gründung 1969 widmet sie sich der Erhaltung des Museums Mutter-Beethoven-Haus und befindet sich seit 1997 durch den Verkauf der Deinhard Sektkellerei an die Henkell & Co. KG unter deren Dach. Der Vorstand besteht aus zwei Vertretern der Firma Henkell & Co. KG Sektkellerei, derzeit Dr. Nikolaus Hagenberg, Controlling und Finanzen, und Jan Rock, Head of Communications & PR, sowie zwei Vertretern der Stadt Koblenz, derzeit Dr. Margit Theis-Scholz, Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, und Dr. Matthias von der Bank, Leiter des Mittelrhein-Museums. Durch Ausscheiden des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Werner Maul übernimmt Nikolaus Hagenberg dieses Amt.

Rückblickend auf das vergangene Stiftungsjahr zeigt man sich sehr zufrieden mit dem Fortschritt der damals beschlossenen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten, die im März 2020 vorerst ihren Abschluss finden. Fortan stehen nun Infrastruktur, Gestaltung und Nutzung des Hauses als vielseitigen Ausstellungs- und Veranstaltungsort im Fokus. Im historischen Gebäudeteil befindet sich die nochmals aktualisierte Dauerausstellung, die sich mit der Geschichte Ehrenbreitsteins als kurtrierische Residenzstadt beschäftigt. In diesem  Kontext findet auch die Familie Keverich, in die 1746 die Mutter von Ludwig van Beethoven, Maria Magdalena († 1787), hineingeboren wurde, nähere Betrachtung.

Der 1989 eröffnete, großzügige Anbau bietet mit dem Sonderausstellungsraum die Möglichkeit, die ständige Präsentation durch Wechselschauen zu ergänzen, sowie mit dem Kammermusiksaal, auch Bühnenprogramme stattfinden zu lassen.
Bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt das Jubiläumsjahr BTHVN2020, das für die Koblenzer Region am 11. Februar 2020 im Museum Mutter-Beethoven-Haus eröffnet wurde, diesem eine größere Aufmerksamkeit zuteilwerden. Steigende Besucherzahlen und Führungsfragen sprechen hierfür. Es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung hinsichtlich der kommenden Sonderausstellung „Auf Beethovens Spuren“ (01.05.2020 bis 03.01.2021) sowie der zahlreichen Zusatzveranstaltungen, beispielsweise des Theaterstücks „Mein Sohn Ludwig“, diverser Konzerte und Vortragsreihen, fortsetzt. Zudem ist das Museum Mutter-Beethoven-Haus an den diesjährigen Aktionstagen wie dem Internationalen Museumstag, der Langen Nacht der Museen sowie dem Tag des offenen Denkmals mit einem eigenen museumspädagogischen Programm vertreten. Perspektivisch soll es sich als fester Treffpunkt für das kultur- und kunstinteressierte Publikum in der Region Koblenz etablieren.

Hermann Bäumer: Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz bis 2025

Hermann Bäumer verlängert sein Engagement als Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz um weitere vier Jahre bis zum 31. Juli 2025. Staatssekretär Denis Alt freut sich über die weitere Zusammenarbeit: „Hermann Bäumer hat in den vergangenen Jahren als Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz und als Generalmusikdirektor des Staatstheaters Mainz hervorragende Arbeit geleistet. Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft vor uns haben und das hohe künstlerische Niveau des Orchesters weiter ausbauen können.“

Bereits seit dem 1. August 2011 leitet Bäumer das Orchester in Mainz. Unter seiner künstlerischen Leitung hat sich das Staatsorchester kontinuierlich entwickelt und hat neue Wege eingeschlagen. Dass seine Arbeit über Rheinland-Pfalz hinaus gewürdigt wird, belegen erhaltene Auszeichnungen: 2017 als „Innovatives Orchester“ durch die Deutsche Orchesterstiftung und für die Spielzeit 2018/2019 für das „Beste Konzertprogramm der Saison“ durch den Deutschen Musikverleger-Verband.

„Das Philharmonische Staatsorchester hat sich neben einer ungeheuren Musizierfreude auch die Neugier auf Neues sowie neue Sichtweisen auf Altbekanntes bewahrt. Das zeichnet auch das Mainzer Publikum aus und so ist es für mich eine Ehre und große Freude, hier in Mainz weiter arbeiten zu dürfen“, freut sich Bäumer über sein fortlaufendes Engagement.

„Die in den vergangenen Jahren erreichte künstlerische Leistungsfähigkeit des Philharmonischen Staatsorchesters ist ein Ergebnis der intensiven Arbeit Hermann Bäumers und stellt eine Bereicherung für das kulturelle Leben in Mainz und der Region dar“, so der Staatssekretär. Die innovativen Konzertformate, die Bäumers Leitung auszeichnen, werden auch in der aktuellen Spielzeit wieder aufgegriffen. So wird beim 6. Mainzer Komponistenporträt am 20. März in einem Sinfoniekonzert der türkische Pianist Fazil Say vorgestellt. Im April erfolgt ein Konzert der Reihe „Auf Wiederhören“, das sich mit Musik der Gegenwart beschäftigt.

Der Intendant des Mainzer Staatsheaters Markus Müller hob die Bedeutung der Arbeit Bäumers hervor: „Hermann Bäumer fordert sich, sein Orchester und unsere Sängerinnen und Sänger musikalisch immer wieder neu heraus. Er ist offen, neugierig und bringt eine vertrauensvolle zwischenmenschliche Atmosphäre in seine künstlerische Arbeit ein. Das exzellente Klangergebnis und das hohe musikalische Niveau erleben wir in den vielen Konzerten und Opernaufführungen. Daher freue ich mich sehr über die weitere Zusammenarbeit mit ihm als Generalmusikdirektor und als verlässlicher, wichtiger Partner für mich ganz persönlich und für das Staatstheater Mainz.“

Bäumers Engagement und sein Bezug zur Landeshauptstadt Mainz zeigen sich auch in weiteren Projekten: 2015 initiierte er ein Konzert für Flüchtlinge im Theater Mainz. Im diesjährigen Beethoven-Jubiläumsjahr entstand das Projekt „Beethoven-Babys“. Hierbei erhalten alle Babys, die in und um Mainz geboren wurden eine sechsjährige musikalische Patenschaft. Diese beinhaltet Krabbel- und Kinderkonzerte. „Die genannten Initiativen Hermann Bäumers zeigen, dass dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz ein künstlerischer Leiter vorsteht, der als Botschafter der Musik Brücken zu den Menschen schlägt“, würdigt Alt die Leistungen.

Neben der Vertragsverlängerung konnten auch zwei neue Orchesterstellen eingerichtet werden. Damit kann die künstlerische Ausrichtung des Orchesters ausgebaut werden.

Gesichter der Migration

Eine Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart

Koblenz. Einen zweitägigen Workshop für geflüchtete Frauen haben die Interkulturellen Dienste des Diakonischen Werkes Koblenz gemeinsam mit der Schauspielschule Koblenz organisiert. Ziel der Veranstaltung war die Auseinandersetzung mit dem derzeitigen Ich und mit dem der Vergangenheit. Acht Frauen nahmen teil und schauspielerten unter der Anleitung von Schauspielschüler Viktor Lee. Durch vielfältige Übungen in der Schauspielschule lernten die Frauen ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart ohne Sprache zu verbildlichen. Festgehalten durch aussagekräftige und wirkungsvolle Bilder wurde dies durch die Fotografin Isa Hoffmann (Belle is Art). Sie fing Momentaufnahmen der Frauen während des Schauspielens ein.

Das Projekt endet mit einer privaten Ausstellung der Fotografien, die die Frauen bisher selbst noch nicht zur Gesicht bekommen haben. Bei späteren Veranstaltungen sollen die Bilder auch für deren Teilnehmende zu betrachten sein.

Text Jennifer Althausen. Redaktion: Katrin Püschel.

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